Vielleicht haben Sie es auch schon von Ihrem Bankberater oder ihrem Versicherungsberater gehört: Die Riester-Rente lohnt sich für jeden. Die Argumente sind immer die gleichen: der Staat gibt bares Geld dazu, das muss man mitnehmen.
Und auch im ethisch-ökologischen Sektor gibt es die Riester-Rente als Angebot.
Leider ist auch bei Riester wieder etwas passiert, das man allzu häufig sieht: Man hat etwas gut gemeint und in der Theorie ersonnen, nur was in der Praxis ankommt ist nicht mehr zu gebrauchen. Der Staat wollte mit den Riester-Gesetzen die Möglichkeit für die private Altersvorsorge schaffen. Natürlich sollte alles ziemlich sicher sein und die Anmerkungen der Kritiker sollten durch starre Regeln Berücksichtigung finden.
Was dabei heraus kam ist erschreckend: Klaus Jäger, Professor an der Freien Universität Berlin, hat für die WirtschaftsWoche 6 Musterrechnungen für Riester angestellt. Das gar nicht so überraschene Ergebnis: Sparer müssen häufig über 90 Jahr alt werden, um zumindest ihr eingesetztes Kapital samt Zinsen wiederzubekommen.
Woran hängt es? Zum einen muss der heute 30jährige später seine Rente voll versteuern. Die Steuer-Ersparnis in der Ansparphase von Riester-Verträgen ist also gar nicht so richtig eine Ersparnis, es ist viel mehr eine Stundung – die Versteuerung wird in die Rentenphase verschoben. Hört sich gut an, denn in der Rentenphase könnte man eine niedrigere Einkommenssituation und damit auch niedrigere Steuersätze erwarten. Allerdings werden viele Menschen zukünftig auch in der Rentenphase auf weitere Einnahmen angewiesen sein, wie z.B. vermietete Häuser oder Nebenjobs.
Zum anderen verkaufen die Banken und Versicherungen Riester-Produkte ganz einfach über das Argument “Geld vom Staat”. Damit braucht das Produkt sich nicht mehr direkt mit anderen Anlageformen messen lassen. Eine gute Möglichkeit, hohe Gebühren in die Produkte einzubauen.
Fazit: In wenigen Fällen (i.d.R. Geringverdiener, möglichst mit vielen Kindern) ist die Riester-Rente sinnvoll. In den meisten Fällen heißt es aber: Finger weg von Riester-Produkten. Steuern zu sparen als Selbstzweck ist niemals empfehlenswert.