Archiv für November 2012

Die EU Schuldenkrise: Antworten auf die 10 wichtigsten Fragen

Freitag, 30. November 2012

 

  1. Die Hypothenkenzinsen sind historisch niedrig. Sollte man jetzt eine Immobilie kaufen oder bauen?
  2. Wenn ich in Immobilien investieren möchte, aber nicht genügend Eigenkapital für eine eigene Immobilie habe – was kann ich tun?
  3. Soll ich jetzt noch Gold kaufen?
  4. Bietet Silber mehr Chancen als Gold?
  5. Sollte man überhaupt noch Staatsanleihen oder entsprechende Fonds kaufen?
  6. Kann ich mich mit Aktienfonds gegen die Schuldenkrise wappnen?
  7. Sind Fremdwährungen eine Alternative?
  8. Wie sicher ist mein Geld auf Tagesgeldkonten oder bei Festzinsangeboten?
  9. Wie wirkt sich die Schuldenkrise auf die Lebensversicherungen aus?
  10. Wie sollte ich in der aktuellen Situation mein Geld anlegen?

 

Die Hypothenkenzinsen sind historisch niedrig. Sollte man jetzt eine Immobilie kaufen oder bauen?

 

Wenn man die Zinskosten mit den Anschaffungskosten für Immobilien ins Verhältnis setzt, fällt auf: noch nie waren die Hypothekenzinsen für Hauskredite nie so niedrig wie im Moment.

 

Das macht den Immobilienkauf generell interessant. Trotzdem muss vor Schnellschüssen gewarnt werden: wer kein Immobilienprofi ist, wird mit einer Immobilie als Geldanlage wahrscheinlich schlecht abschneiden. Mögliche Risiken sind der Mietausfall, Renovierungskosten oder ein überhöhter Kaufpreis, der bei einem späteren Verkauf nicht mehr zu erzielen ist.

 

Außerdem muss ausreichend Eigenkapital vorhanden sind, mindestens 20%.

 

Der deutsche Immobilienmarkt befindet sich im Moment (Herbst 2012) in Teilen in einer Blasenbildung. Das betrifft vor allem die Standorte München, Hamburg, Berlin, Stuttgart und Düsseldorf. Außerhalb dieser Standorte, besonders auf dem Land, befinden sich die Immobilienpreise in moderaten Gefilden, fallen teilweise. Kleinere Universitätsstädte bieten Chancen, denn die Preise sind noch überschaubar und die Nachfrage ist groß.

 

Mein Tipp: Privatanleger sollten Immobilien nur zur Eigennutzung kaufen. Dabei die aktuell günstigen Zinsen mit langlaufenden Darlehen nutzen und Sondertilgungen vereinbaren. Aktuelle Angebote und interessante Finanzierungskonzepte erstellen wir Ihnen innerhalb 1 Arbeitstages (Hier klicken zum Kontakt).

 

Wenn ich in Immobilien investieren möchte, aber nicht genügend Eigenkapital für eine eigene Immobilie habe – was kann ich tun?

                                                                                                                                                                                                                                                        

Wer nicht direkt investieren möchte kann über REITS, offene und geschlossene Immobilienfonds am Wohnungs- und Büromarkt teilhaben. Die Enttäuschungen der REITS sowie der offenen Immoiblienfonds in den letzten Jahren lassen die direkteste Form als Beteiligung als echtes, unmittelbares Investment in der Gunst steigen.

 

Mein Tipp: Investieren Sie in Green Buildings. Diese Gebäude sind außergewöhnlich effizient, bieten hohes Raumklima und lassen die höchsten Wiederverkaufswerte erwarten. Interessante Angebote mit überschaubaren Laufzeiten finden Sie in unserer Kategorie Projekte – Immobilien.

 

 

Vernichtet die Krise Geld?

Die Schuldenkrise der EU verunsichert Anleger. Wo ist mein Geld noch sicher?

 

 

 

Soll ich jetzt noch Gold kaufen?

 

Gold ist die ultimative Krisenabsicherung und behält auch langfristig immer einen gewissen Wert. Gold erzielt allerdings keine regelmäßigen Renditen, sondern man erzielt die Gewinne nur über steigende Goldpreise. Das ist aktuell der Fall, denn in Euro ist Gold seit Anfang 2010 um ca. 80 % gestiegen.

 

Wer allerdings auf dem letzten Hoch 1980 Gold kaufte, musste rund 20 Jahre warten, um überhaupt wieder auf den Goldpreis von 1980 zu kommen. Von hohen Renditen konnte also nicht die Rede sein.

 

Zu beachten ist auch, dass die Geldanlage in Gold alles andere als nachhaltig ist. Goldminen gleichen einer Chemiefabrik in freier Natur. Zum Abbau von Gold werden Chemikalien wie Zyanid und Quecksilber benutzt. Die Restprodukte der Goldgewinnung (hochgiftige Laugen und Schwermetalle wie Arsen, Blei und Kadmium) werden oft einfach in Flüsse oder Meere abgeleitet. Der moderne Goldabbau verletzt meist Menschenrechte aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen und hinterlässt tote Kraterlandschaften, massive Umweltschäden und soziale Probleme.

 

Mein Tipp: Wer einen totalen Zusammenbruch des Euro erwartet, sollte sich Gold als eine Art Versicherungsschutz kaufen (max. 10% des Vermögens). Aber dann nur in Form physischen Goldes, das gegebenenfalls auch tatsächlich gegen Waren eingetauscht werden könnte.

 

 

Bietet Silber mehr Chancen als Gold?

 

Silber gilt als das Gold des kleinen Mannes. Der Vorteil: da der Preis pro Unze viel niedriger als bei Gold ist, lässt es sich im Fall der Fälle viel leichter und in einfacheren Mengen einsetzen.

 

Beim Abbau gilt für Silber das gleiche wie für Gold (wie auch für alle anderen Edelmetalle). Daher sollte man sich ein Investment in Edelmetalle gründlich überlegen.

 

Mein Tipp: Wer einen totalen Zusammenbruch des Euro erwartet, sollte neben Gold auch auf Silber setzen. Es ist leichter veräußerbar als Gold!

 

 

Sollte man überhaupt noch Staatsanleihen oder entsprechende Fonds kaufen?

 

Werthaltige Staatsanleihen in Euro, allen voran die Papiere der Bundesrepublik Deutschland, bieten nur sehr niedrige Zinsen. Zieht man die Steuern davon noch ab, bleibt man unterhalb der jährlichen Inflationsraten und vernichtet effektiv Geld.

 

Eine Alternative sind Staatsanleihen anderer Länder außerhalb des Euro, wie zum Beispiel von Australien, Neuseeland oder auch Polen. Es drohen allerdings Wechselkursschwankungen, die die Renditevorteile schnell wieder zu Nichte machen können.

 

Mein Tipp: Vertrauen Sie international anlegenden Rentenfonds, die nicht nur eine bessere Streuung bieten, sondern in der Regel auch noch ältere Staatsanleihen stabilerer Staaten mit hohen Zinsen im Bestand haben. Unsere Musterdepots „Sicherheit“  enthalten aufeinander abgestimmte Einzelfonds und ergeben in der Summe eine Mischung die Rendite und Schwankungsbreite in Einklang bringt.

 

Kann ich mich mit Aktienfonds gegen die Schuldenkrise wappnen?

 

Ja, denn Aktien sind Beteiligungen an den Unternehmen und sie überstehen Währungskrisen besser als Geldwerte wie Anleihen oder Sparbücher. Wer vor Hitlers Machtergreifung 1930 sein Geld z.B. in Aktien von DaimlerBenz investierte, hatte nach den Turbulenzen des 2. Weltkrieges und der Währungsreform bereits 1950 seinen Wert wieder. Wer 1930 sein Geld in ein Sparbuch steckte, hat es nahezu komplett verloren.

 

Mein Tipp: Breit aufgestellte, nachhaltige Aktienfonds gehören in jede Geldanlage. Je länger der Anlagehorizont, umso höher sollte der Aktienanteil sein. Die Wahrscheinlichkeit mit Aktien mehr Gewinn zu erzielen als mit Anleihen liegt über 15 Jahre Anlagedauer bei 76%, bei 30 Jahren Anlagedauer sind es sogar 100%. Aber die Mischung macht’s. Schauen Sie sich bei unseren Musterdepots für Vermögensaufbau um, dort unterscheiden wir Sicherheits-, Standard- und Wachstumsdepot (niedriger, mittlerer und hoher Aktienanteil).

 

Sind Fremdwährungskonten eine Alternative?

 

Sollte der Euro weiterhin Probleme behalten, können Konten in anderslautender Währung eine Absicherung darstellen (Angebote u.a. bei Comdirect). Ähnlich wie beim Gold ist dort aber meist nicht mit einem automatischen, zählbaren Zuwachs zu rechnen, sondern man spekuliert auf eine stärker werdende Fremdwährung.

 

Mein Tipp: Währungsspekulationen sind reines Glücksspiel. Auch wenn die Euro-Zone große Probleme hat, kann der Euro gegenüber anderen Währungen aufwerten – mit Fremdwährungskonten verlieren Sie dann Geld.

 

Wie sicher ist mein Geld auf Tagesgeldkonten oder bei Festzinsangeboten?

 

Auf solchen Konten greift die gesetzliche Einlagensicherung. Die Annahme, diese Sicherung wäre vom deutschen Staat garantiert, ist jedoch leider falsch. Es fließen zwar regelmäßig Gelder von deutschen Banken in die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (verwaltet von der staatlichen KfW Bank, beaufsichtigt von der BaFin), aber diese Geldtöpfe verkraften nur den Ausfall einer größeren Bank. Wenn es darüber hinausgehen sollten, sind die Garantieversprechen wertlos.

 

Auch das vollmundige Versprechen Angela Merkels nach der Lehman-Pleite 2008 über eine Art politische Garantie für die Ersparnisse der Bundesbürger blieb bis dato nur heiße Luft: einen Umsetzung in Gesetze folgt bis heute nicht und wird wohl auch nie folgen.

 

Mein Tipp: Die Einlagensicherung ist gesetzlich vorgeschrieben, aber nicht staatlich garantiert. Wenn mehr als ein großes Finanzinstitut in Schwierigkeiten gerät, kann sie nicht mehr helfen. Für diese Sicherung die historisch niedrigen Zinsen zu akzeptieren, macht keinen Sinn.

 

Wie wirkt sich die Schuldenkrise auf die Lebensversicherungen aus?

 

Lebensversicherungen sind über einen Anlagenverordnung gezwungen, zu einem großen Teil in die formell sicheren Staatsanleihen zu investieren. Da die Europäische Zentralbank mit billigem Geld das Zinsniveau künstlich niedrig hält, sind Staatsanleihen im Moment sehr niedrig verzinst.

 

Das wirkt sich in der Folge auf die Lebensversicherungen aus. Diese halten zwar auch noch große Bestände an alten, höher verzinsten Staatsanleihen. Je länger aber das niedrige Zinsniveau anhält, umso niedriger wird die Gesamtverzinsung der Lebensversicherungen. Die Gesamtverzinsung setzt sich aus dem Garantiezins sowie Beteiligungen an den aktuellen Überschüssen und Schlussüberschüssen zusammen und liegt im Branchenschnitt derzeit bei rund 4%.

 

Der Garantiezins wird von der Bundesregierung festgelegt und beträgt mittlerweile nur noch 1,75% (seit 1.1.2012). Er gilt immer für die gesamte Laufzeit der Police, d.h. auch wenn in Zukunft noch niedrigere Garantiezinsen kommen sollten, bleiben die zum Zeitpunkt des Abschlusses gültigen Zinsen garantiert.

 

Im Moment gibt es keine Anzeichen, dass diese Garantien nicht gehalten werden könnten.

 

Mein Tipp: Bestehende Verträge sollten Sie in aller Regel weiter laufen lassen und nicht kündigen (Ausnahme können Policen mit Ablauf in 2013 oder 2014 sein, siehe dazu den Beitrag „Gesetzesänderung bei Lebensversicherungen“. Beim Abschluss neuer Verträge sollten Sie die Anbieter unbedingt genau ansehen, denn die Verzinsungen liegen in der Bandbreite von 3,5% bis 5,0% recht weit auseinander. Welche Anbieter finanzstark sind, hohe Renditen bieten und nachhaltig das Geld anlegen, können Sie gerne bei uns tagesaktuell erfragen (Kontakt).

 

Wie sollte ich in der aktuellen Situation mein Geld anlegen?

 

Grundsätzlich muss man zwischen Geldwerten (Sparbücher, Anleihen, etc.) und Sachwerten unterscheiden. Geldwerte notieren in Währungen, bei uns üblicherweise in Euro. Da sich die Euro-Zone und der Euro in einer Krise befinden und die Verzinsung für Geldwerte niedrig ist, sollte der Anteil an Sachwerten maximal sein.

 

Mein Tipp: Setzen Sie auf nachhaltige Sachwerte, die auch ohne einen Crash der Eurozone zu guten Ergebnissen führen. Unsere Favoriten finden Sie in den jeweiligen Kategorien, z.B. Solarprojekt, Windkraft- und sonstige Projekte, nachhaltige Immobilien, Waldprojekte oder Vermögensaufbau Wachstum.

 

 

 

Portraitfoto Gerd Junker

Verfasser des Beitrages

Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

Erfreut die Anleger: Windfonds zieht Ausschüttung nach vorne

Dienstag, 27. November 2012

Nur einige Tage nach dem Vertriebsstart des Windenergie-Fonds Leonidas XI kann die Fondsgesellschaft bereits die erste Ausschüttung für das Projekt in Frankreich um ein Jahr nach vorne ziehen. Die Anleger können bereits 2014 mit einer Ausschüttung von 8 % rechnen. Möglich wird das durch Synergieeffekte mit dem Projekt des Windfonds Leonidas X. Die Vorbereitungen für die ab Februar 2013 geplante Bauphase kommen schneller voran als erwartet und werden somit zu einer schnelleren Fertigstellung und Netzanschluss des Projektes führen. Die Gesamtprognose über die Laufzeit von 15 Jahren in Höhe von 226 % bleibt davon zunächst unberührt. Die Leonidas Associates GmbH agiert gerade im Hinblick auf die Ausschüttungsprognosen bewusst vorsichtig, als von Anfang an optimistisch zu planen. Dem Anleger dürften positive Überraschungen deutlich besser gefallen als negative. Hier die aktuelle Prognose im Überblick:

 

 

Prognostizierte Rendite für Leonidas XI

 Mehr Informationen

  

 

 

Verfasser des Beitrages

Jasmin Messina-Hamann unterstützt die Grünes Geld GmbH als Berater-Assistentin. Jasmin Messina-Hamann:“Ich freue mich, dass ich – neben meinem persönlichen Engagement (z. B. bei Greenpeace) – beruflich meinen Teil dazu beitragen kann, dass Nachhaltigkeit auch in der Finanzbranche kein Fremdwort mehr ist. Die Macht des eingesetzten Kapitals kann die Welt zum positiven verändern.“

UN Klimakonferenz Doha: Was glauben Sie, wie es endet?

Dienstag, 27. November 2012

„Das aktuelle Tempo des internationalen Klimaschutzes ist absolut unzureichend, um das angestrebte Zwei-Grad-Ziel tatsächlich zu erreichen“, so Bundesumweltminister Altmaier vor der am 26. November begonnen UN Klimakonferenz in Doha (Katar). Trotzdem treffen sich die 194 Teilnehmerstaaten im Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Ausstoss an Treibhausgasen weltweit.

 

Bau-Boom, hoher CO2-Ausstoß, Klimakonferenz: Doha in Katar

Schreckliches Negativbeispiel: Doha verschwendet Energie wie kein anderes Land der Erde (höchster CO2 Ausstoß pro Kopf weltweit) und ist nun Gastgeber für die Klimakonferenz der UN.

 

 

Seit den Fehlschlägen der vergangenen Klimakonferenzen sind die Erwartungen niedrig. Es ist leider schon ein Erfolg, dass diese Konferenz überhaupt statt findet. Es geht um 2 Hauptpunkte:

 

 

1.) Internationaler Klimaschutz 2013 bis 2020

 

 

2.) Fahrplan für den Klimaschutzplan ab 2020

 

 

Die Chancen auf gute Ergebnisse und eine Einigung sind jedoch niedrig – obwohl Hurrikan Sandy auch beim zweitgrößten Klimasünder USA die Menschen wachgerüttelt und auf die Klimaveränderung aufmerksam gemacht hat. Auch ist die arktische Eisfläche 2012 nur noch halb so groß wie 1972. Die Treibhausgas Emissionen sind seit 2000 schon wieder um ca. 20% gestiegen. Und die Weltbank warnt: selbst für den Fall, dass die Industrieländer ihr Verpflichtungen einhalten würden, ist bis zum Ende des Jahrhunderts mit einer Erwärmung um 3,5 bis 4 Grad zu rechnen.

 

 

Der jahrezehntelange Haupt-Sünder USA macht aktuell 20% der globalen Treibhausgas-Emissionen aus, wurde aber von China mit 25% auf Platz 2 verdrängt. Dort wird der Energiebedarf weiterhin zu ca. 2/3 mit Kohle gedeckt.

 

Was sind Ihre Erwartungen an die Klimakonferenz – was glauben Sie welche Ergebnisse erzielt werden? Sagen Sie uns Ihre Meinung:

 

Die Umfrage ist am 07.12.2012 abgelaufen. Hier geht es zur Auswertung.

Unser Spessart – Geheimtipp Rohrberg

Montag, 26. November 2012

Die Wälder des Spessarts eignen sich wunderbar für ausgedehnte Wanderungen und Spaziergänge. Ganz besonders viel zu entdecken gibt es im Naturschutzgebiet Rohrberg. Dieses ist mit ca. 10 Hektar verhältnismäßig klein, trotzdem möchte man stundenlag dort auf Entdeckungsreise gehen, weil es an jedem Baumstamm etwas zu entdecken gibt. Der Bereich Rohrberg wurde bereits 1928 unter Schutz gestellt und aus der Nutzung genommen und gehört somit zu den ältesten Naturschutzgebieten in ganz Deutschland. Jeder Ast, der herunterfällt und jeder umgestürzte Baum bleibt liegen und trägt zu einem wunderschönen Gesamteindruck bei. Es sollten die alten, knorrigen Eichen geschützt werden, die dem Wald sein charakteristisches Erscheinungsbild gaben.

 

Damals ging man davon aus, dass es sich um eine natürliche Eichenpopulation handelt. Heute weiß man jedoch, dass es sich beim Rohrberg um einen ehemaligen Eichehutewald handelt, in dem über mehrere Jahrhunderte Vieh aus Rohrbrunn geweidet wurde. Hier kann man vereinzelt noch Eichen entdecken, die zwischen 500 und 800 Jahren alt sind. Es finden sich hier aber auch stattliche, über 200 Jahre alte Buchen, die ihrerseits zu den Methusalemen unter den Buchen im Spessart gezählt werden dürfen. Auch viele jüngere Buchen sind hier zu finden. Das zeigt, dass ohne menschliches Zutun die Buche den Waldbestand dominieren würde. Heute findet man nur noch Relikte dieser alten Wälder, da sich die Nutzung des Waldes durch den Menschen im Laufe der Zeit stark verändert hat. In diesen alten Beständen kommen heute seltene Tier-, Pflanzen- und Pilzarten vor, die zum Beispiel auf den vergleichsweise hohen Totholzanteil in den Schutzgebieten angewiesen sind.

 

Dass sich ein ausgedehnter „Entdeckungs-Spaziergang“ nicht nur bei gutem Wetter lohnt, konnte ich diese Tage feststellen. Zu Hause bei schönstem Wetter losgefahren, erwartete mich im Spessart eine dicke Nebelsuppe. Aber genau die hat für eine wunderschöne Atmosphäre im Wald gesorgt. Eine Tour lohnt sich also nicht nur bei Sonnenschein, wie die eingefangenen Fotos in der Galerie beweisen:

 

Naturschutzgebiet Rohrberg im Spessart_1

Bild 1 von 13

Auch bei vermeintlich schlechtem Wetter lohnt sich ein Spaziergang durch den Wald.

 

 

Wer nicht gerade in der Nähe des Spessarts wohnt, kann sich auch auf den Weg in den Kellerwald am Edersee oder in den Forst nach Hümmeln begeben um dort die alten Wälder zu entdecken. Es sind übrigens auch noch eine Menge Pilze zu finden! 

 

Den Weg zum Rohrberg finden Sie hier.

 

 

 

 Fotos:  Jasmin Messina-Hamann

 

 

 

 

Verfasser des Beitrages

Jasmin Messina-Hamann unterstützt die Grünes Geld GmbH als Berater-Assistentin. Jasmin Messina-Hamann:“Ich freue mich, dass ich – neben meinem persönlichen Engagement (z. B. bei Greenpeace) – beruflich meinen Teil dazu beitragen kann, dass Nachhaltigkeit auch in der Finanzbranche kein Fremdwort mehr ist. Die Macht des eingesetzten Kapitals kann die Welt zum positiven verändern.“

Nachhaltige Geldanlagen im Gestern, Heute und Morgen und Interview mit Carmen Junker

Donnerstag, 22. November 2012

„Geld stinkt nicht – aber bisweilen die Art, wie es verdient wird!“ Ein Ausspruch, der auf den römischen Kaiser Vespasian zurückzuführen ist. So lange gibt es die Idee der nachhaltigen Geldanlage noch nicht. Wollte doch Vespasian einfach nur die öffentlichen Toiletten besteuern und rechtfertigte dieses Handeln gegenüber seinem Sohn Titus mit dem Ausspruch „Geld stinkt nicht – Pecunia non olet!“. Allerdings haben auch nachhaltige Anlagen eine Geschichte. Diese reicht bis ins 19te Jahrhundert in Amerika zurück. Hier finden diese ihren Ursprung in religiösen Bewegungen. Die Quäker und Methodisten verzichteten aus ethischen Gründen auf Investitionen in Rüstungsgeschäfte, Glücksspiel, Tabak oder Alkohol. Solche Anlagen wurden von ihnen „Sin Stocks“, „Aktien der Sünde“ genannt. Durch dieses Anlageverhalten wurde erstmals der Begriff der „Social Responsible Investments (SRI)“ geprägt. Hierbei geht es um die Berücksichtigung sozialer, ökologischer, nachhaltiger und ethischer Punkte. Schon 1928 wurde in Amerika der Pioneer-Fund als erster Fond nach diesen Kriterien herausgegeben.

 

Verbotene Investitionen bei den Quäkern

Investitionen in Glücksspiel, Alkohol und Tabak waren den Quäkern bereits im 19ten Jahrhundert untersagt.

 

Danach geriet diese Art der Geldanlage allerdings leider für lange Zeit in Vergessenheit. Bis etwa in die 70er Jahre. Durch den Vietnamkrieg und die unmenschliche Apartheitspolitik in Südafrika wurden alternative Investments wieder interessant. Kein Geld sollte in die Rüstungsindustrie oder in Firmen, die in Südafrika tätig waren fließen. Aufgrund des aufgebauten Drucks durch diese ethisch-ökologischen Geldanlagen fingen viele Firmen an, sich aus Südafrika zurückzuziehen. Allerdings spielten nachhaltige Investments in Europa nach wie vor keine Rolle. Erst ab den 80er Jahren, geprägt durch zahlreiche Ereignisse wie das Waldsterben, die FCKW-Problematik und nicht zuletzt der GAU von Tschernobyl, wuchs das Bewusstsein für vornehmlich ökologische Geldanlagen. 1987 wurde schließlich der Begriff „Nachhaltigkeit“ von der UN wie folgt definiert: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen heutiger Generationen Rechnung trägt, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden, ihren eigenen Bedürfnissen nachzukommen.“.

 

Aber erst durch die wirtschaftliche Entwicklung (die Wirtschaftskrise seit 2008) und ökologische Katastrophen der letzten Jahre scheint das Thema der nachhaltigen Geldanlage wirklich in der breiten Masse angekommen zu sein. 2010 sank die Deepwater Horizon und führte somit zur Ölpest im Golf von Mexiko – die schwerste Umweltkatastrophe dieser Art. Als klar wurde, dass in Deutschland zum Beispiel viele Riester-Renten, die auf Fonds basieren, Aktien von BP in ihrem Portfolio führen, war der Aufschrei groß. BP galt bis dahin als sauberes Unternehmen und war sogar in einigen Nachhaltigkeits-Indizes gelistet, wie z. B. dem Dow Jones Sustainability Index. Ähnlich verhielt es sich mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Auch das Betreiberunternehmen TEPCO fand sich in einigen nachhaltigen Investmentfonds.

 

Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

2010 explodierte die Deepwater Horizon – mit ungeahnten ökologischen Folgen.

 

Gegenwärtig erfreuen sich Anlagen nach ethischen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten großer Beliebtheit und die Prognosen für die weitere Entwicklung sind sehr gut. Allerdings muss man schon sehr genau hinsehen, auf welche Produkte man sich einlässt. Etikettenschwindler sind weit verbreitet und inzwischen gibt es sogar Forderungen nach einem „Gütesiegel“. Leider lassen sich die komplexen Sachverhalte nachhaltiger Geldanlagen nicht einfach auf ein Label herunterbrechen. Zunächst gilt es Mindeststandards festzulegen, ähnlich wie bei Bio-Siegeln. Grundsätzlich ist es aber unerlässlich, ethische, ökologische und soziale Kriterien in den Beratungsprozess einfließen zu lassen. Hier kommt der unabhängige Finanzberater ins Spiel. Dieser ist nicht an die Anpreisung der internen Finanzprodukte von Banken und Sparkassen gebunden, sondern kann nach sorgfältiger Analyse des Kunden und seiner Wünsche gezielt das passende Produkt empfehlen.

 

Unsere Geschäftsführerin Carmen Junker wurde dazu vom Online-Magazin „arbeitsmarkt“ zum Thema interviewt:

 

Die Zahl der ungebundenen Berater und Vermittler, die sich konsequent der nachhaltigen Vermögens- und Vorsorgeberatung verschrieben haben, ist immer noch überschaubar – überschaubar klein. Carmen Junker ist eine davon. Seit 2001 ist sie am bayerischen Untermain als freie Finanzberaterin tätig. Im Jahr 2007 gründete sie zusammen mit Ihrem Mann Gerd die „Grünes Geld GmbH“.

 

Frau Junker, unter den wenigen Frauen in der Finanzberatung besetzen Sie mit Ihrer Grünes Geld GmbH eine Nische. Fühlen Sie sich als Minderheit in der Minderheit?

Es ist in der Tat so, dass wir Frauen in der Finanzberatung nur mit etwa 24% vertreten sind. Auf den Weg der nachhaltigen Geldanlage haben sich bislang erst wenige Vermittler begeben. So gibt es bundesweit ungefähr 60 Berater, die sich dieses Themas angenommen haben. So kann man tatsächlich von einer Minderheit in der Minderheit sprechen.

 

Auf Ihrer Homepage springt eine Botschaft ins Auge: „Die Welt zum Besseren verändern.“ Formulieren Sie damit nicht einen sehr hohen Anspruch?

Geld per se ist erst einmal neutral. Je nachdem wie wir es investieren, entfaltet es eine Wirkung. Und diese ist bei ethisch-ökologischer Anlage eine positive. Ein konkretes Beispiel: Im Jahr 2011 konnten wir durch die Empfehlung von umweltbewussten Geldanlagen allein in Solar- und Windfonds zu einer CO2-Einsparung von knapp 800 Tonnen beitragen. Das entspricht etwa dem CO2-Jahresausstoß von 400 Mittelklassewagen bei einer Fahrleistung von 12.000 km. Die CO2-Bindung, die wir durch Empfehlungen in Aufforstungsprojekte ermöglichen konnten, ist hier noch gar nicht berücksichtigt. Somit ist grüne Geldanlage durchaus eine Möglichkeit, die Welt ein Stück zum Besseren zu verändern.

 

Der Begriff „Grünes Geld“ hat sich in der Finanzwelt mittlerweile etabliert so wie „Green Economy“ im Wirtschaftsleben. Aber selbst innerhalb der Branche wissen viele nichts damit anzufangen. Wie erklären Sie einer Fachkollegin, die Sie zum Beispiel auf einer Finanz-Fachmesse treffen, worin sich Ihre Tätigkeit von der einer „normalen“ Maklerin unterscheidet?

Zusätzlich zu den etablierten Kriterien und der klassischen Analyse bei der Produktauswahl wird ein Filter eingezogen, das heißt, die Finanzprodukte werden auf ihre ökologische und soziale Wirkung untersucht. Son investieren diese lieber in den Rohstoff Holz, der zur Klimaverbesserung beiträgt, als in den Rohstoff Gold, der unter umweltbelastenden Eingriffen und unsozialen Bedingungen gewonnen wird und zudem keine Wertschöpfung auslöst.

 

Was raten Sie jungen Berufseinsteigern in der Finanz- und Versicherungsbranche, die sich als Berater/in für nachhaltige Geldanlagen profilieren wollen? Genügen die Kenntnisse, die man während des Studiums oder der Ausbildung erhält?

In der bisherigen Ausbildung werden Ethik und Ökologie nicht oder nur marginal behandelt. Wir fordern hier die Bildungsträger auf, dies zu ändern. Bereits in der Ausbildung müssen Kenntnisse darüber vermittelt werden, dass der Geldkreislauf und die Finanzwelt kein abgeschlossener Kreislauf ist, sondern Finanzprodukte Auswirkungen auf die Realwirtschaft und auf uns als Menschen haben. Wir stehen global vor extremen Herausforderungen – Klimawandel, Armutsbekämpfung, Trinkwasserknappheit, um nur die wichtigsten zu nennen. Junge Berufseinsteiger müssen wissen, dass die Finanzwelt einen großen Teil dazu beitragen kann, diese Probleme zu lösen. So langsam entwickeln sich jedoch Alternativen wie etwa der Masterstudiengang in Social Banking.

 

Obwohl das Vertrauen in Banken und Sparkassen seit Ausbruch der Finanzkrise arg gelitten hat, wickeln die meisten Menschen dort weiterhin ihre Geldgeschäfte ab. Sie setzen beim Geld anscheinend auf die Größe eines Instituts. Was setzen Sie als kleines Beratungsbüro dagegen?

Unsere Mandanten schätzen die Kommunikation auf Augenhöhe, weil sie wissen, dass wir aus Überzeugung ökologische und soziale Kriterien berücksichtigen. Sie fühlen sich verstanden. Bei klassischen Banken bekommen sie dagegen Anfragen nach sozialen und ökologischen Anlagen oft nicht kompetent beantwortet. Nicht selten werden sie dort sogar belächelt. Die Zeitschrift „Finanztest“ hat z. B. ermittelt, dass Größe und Beratungsqualität in keinerlei Zusammenhang stehen. Die Beratung ist in kleineren Häusern meist kundenorientierter. Weiter gilt, dass das Thema Nachhaltigkeit bei großen Instituten bislang nur vorübergehend während der Finanzkrise „gespielt“ wurde, um zu suggerieren, es hätte sich im Finanzsystem etwas verändert. Das angeblich neue ökologisch-soziale Bewusstsein ist, kaum scheint die Krise nicht mehr so deutlich, wieder in den Schubladen verschwunden.

 

Würden Sie jungen Menschen eher zu- oder abraten, einen ähnlichen Weg wie Sie einzuschlagen?

In den letzten Jahren haben Regulierungen den Weg in die Finanzberatungsbranche etwas erschwert. Inzwischen sind glücklicherweise Fachkenntnisse und Ausbildungen nachzuweisen, bevor man in diesem Bereich tätig sein darf. Dies führt zu einer Marktbereinigung und somit werden die Chancen für die verbleibenden Marktteilnehmer größer. Grundsätzlich sehen wir die Zukunft positiv. Und für junge Menschen bieten sich gerade in der nachhaltigen Finanzwelt Chancen. Es bedarf jedoch einer gehörigen Portion Kreativität, Fleiß und Durchhaltevermögen. Doch wo würden diese Tugenden nicht benötigt?

 

Für alle die noch mehr wissen möchten, ist der komplette Artikel auch als PDF abrufbar

 

Ethisch-ökologische Basisinvestment in den Stufen Sicherheit, Standard und Wachstum finden Sie auf unserer Seite unter Vermögensaufbau.  

 

 

Verfasser des Beitrages

Jasmin Messina-Hamann unterstützt die Grünes Geld GmbH als Berater-Assistentin. Jasmin Messina-Hamann:“Ich freue mich, dass ich – neben meinem persönlichen Engagement (z. B. bei Greenpeace) – beruflich meinen Teil dazu beitragen kann, dass Nachhaltigkeit auch in der Finanzbranche kein Fremdwort mehr ist. Die Macht des eingesetzten Kapitals kann die Welt zum positiven verändern.“

Gesetzesänderung bei Lebensversicherungen noch vor Weihnachten: Das kann viel Geld kosten

Montag, 12. November 2012

 Achtung: Artikel über die Gesetzänderungen Juli 2014 hier!

 

 

Unbemerkt und ganz nebenbei hat die Bundesregierung den Lebensversicherern noch ein Geschenk gemacht. Ab 21. Dezember 2012 gelten bei der Kündigung von Lebensversicherungen neue Regeln, die die Kunden benachteiligen und den Gesellschaften kräftig Kapital bringen werden. Wer vorher reagiert, kann viele Tausend Euro sparen.

 

Wer den 21.12.2012 verschläft, schenkt seiner Versicherung vielleicht viel Geld

Langeweile? Alle, deren Lebensversicherung 2013 oder 2014 ausläuft oder die sie ohnehin kündigen wollen, sollten die ruhige Zeit im November nutzen und einen vorzeitigen Ausstieg prüfen: ab  21.12.2012 gibt es weniger zurück.

 

Wie die Financial Times Deutschland (FTD) in Ihrer Ausgabe vom 12. November 2012 berichtet, wurde letzte Woche eine wichtige Änderung des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) beschlossen. Bislang wurden Kunden bei Kündigung oder Ablauf der Policen, die als besonders sichere Geldanlagen gelten, nämlich zur Hälfte an den stillen Reserven der festverzinslichen Wertpapiere beteiligt. Das wird sich ändern: zukünftig gilt, dass zunächst ein kompliziert auszurechnender Betrag von den Reserven abgezogen wird, bevor die Restsumme mit den Kunden geteilt wird. Grund sei die Stärkung der Lebensversicherer.

 

Die Folge: Die Auszahlungen von Lebensversicherungen werden zukünftig niedriger ausfallen – um ca. 5 bis 10%. Das ist für sicher geltende Geldanlagen Lebensversicherung ein Rückschlag.

 

Generell gilt bei langlaufenden Verträgen wie Lebensversicherungen oder Rentenversicherungen, dass man sie möglichst bis zum Ende der Laufzeit behalten sollte. Nur so lässt sich die höchste Rendite erzielen.

 

Durch die Gesetzesänderung sollten jedoch alle Besitzer von Lebensversicherungen, deren Police in 2013 oder 2014 abläuft und alle Besitzer, die ohnehin Ihre Lebensversicherung kündigen wollen, nun wachsam sein. Denn durch die Verschlechterung durch Gesetzeskraft könnten Sie sonst im nächsten oder übernächsten Jahr weniger ausgezahlt bekommen, als bei einer Kündigung noch vor dem 21.12.2012.

 

Fiktives Beispiel für Änderungen zum 21.12.2012

 

 

Kündigung der Lebensversicherung
vor dem 21.12.2012

(bisherige Regelung) 
Kündigung der Lebensversicherung
nach dem 21.12.2012

(verschlechterte Regelung) 
Verlust für den Kunden
 Auszahlung: 78.322 €  Auszahlung: 72.048 € -6.274 €

 

 

 

 

Was sollte getan werden? Wenn Sie zu der betroffenen Gruppe von Kunden gehören, dann lassen Sie sich von Ihrer Versicherung ausrechnen, was Sie bei heutiger Kündigung und was Sie bei einer Kündigung / einem Ablauf 2013 oder 2014 erhalten würden. Berücksichtigen Sie beim Vergleich auch die steuerliche Situation und möglicherweise Beiträge, die noch zu zahlen sind.

 

 

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Portraitfoto Gerd Junker Verfasser des BeitragesGerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf XingFacebook oder Twitter.

Der deutsche Wald und der Druck der Wirtschaftlichkeit

Donnerstag, 08. November 2012

Der deutsche Wald wächst – jedes Jahr! Das zumindest wird uns in jährlichen Statistiken vermittelt. Zwischen 1992 und 2008 soll die Waldfläche in Deutschland durchschnittlich einen jährlichen Zuwachs von 176 Quadratkilometern erhalten haben. Das klingt zunächst gut, ist aber Augenwischerei. Denn bis zum Jahr 2010 war es zum Beispiel üblich, landwirtschaftliche Brachflächen die mit Bäumen und Büschen bewachsen sind, als „Waldfläche“ auszuweisen. Somit dürfte das viel beklagte „Höfe-Sterben“ in dieser Zeit ein wesentlicher Verursacher des Waldzuwachses in Deutschland gewesen sein. Natürlich können im Laufe der Jahre auf solchen Flächen, oder auch z. B. auf umgewandelten Truppenübungsplätzen, neue Wälder entstehen. Aber hier führt uns eben die Statistik zunächst an der Nase herum.

 

Wirtschaftsfaktor Wald

 

Der Wald steht unter einem immer größeren Druck – dem Druck der Wirtschaftlichkeit. Seit Anfang der 90er Jahre ist die Holzentnahme aus den deutschen Wäldern parallel zum Verbrauch kontinuierlich angestiegen. Allerdings wurde bis vor kurzem noch mehr Holz importiert als exportiert. Das hat sich inzwischen geändert. 2010 ist die Bundesrepublik laut Greenpeace Deutschland zum zweitgrößten Holzexporteur weltweit hinter China aufgestiegen. Die USA und Kanada folgen erst auf Rang drei und vier! Zudem hat sich die Nutzung des entnommenen Holzes stark verändert. Wurde 2002 noch mehr als 2/3 des gerodeten Holzes stofflich, also langfristig (Möbel, Parkett usw.) genutzt so steht das Verhältnis zwischen stofflicher und energetischer Nutzung heute bereits bei einem Verhältnis von 50:50 – bei konstant steigendem Gesamtverbrauch. Hier ist die steigende Nutzung von Holzpellet-Heizungen und deren staatliche Förderung eine Ursache.

 

 

Import und Export von Holz weltweit

Übersicht über die größten Holz-Exporteure

 

Früher wurden hauptsächliche Holzabfälle zur Herstellung von Holzpellets verwendet. Die aktuelle Nachfrage ist allerdings damit kaum mehr abzudecken und so werden auch zunehmend Waldhölzer verwendet. Bäume werden vollständig verwertet. Das klingt zunächst gut, aber bei genauerer Betrachtung ergeben sich daraus massive Probleme. Man rückt mit schwerem Gerät in den Wald um z. B. auch noch Baumstümpfe mit ihren Wurzeln herauszureißen und zu verwerten. Dadurch werden die feinen Poren, die für die Belüftung des Waldbodens notwendig sind zerstört. Der Boden erstickt und Baumwurzeln faulen ab. Auch Baumkronen, die früher im Wald verrotten konnten und so ihre gespeicherten Mineralstoffe (ca. 50% der gesamten Mineralien eines Baumes) wieder an den Wald abgeben konnten, werden heute der Pellet-Produktion zugeführt. Somit laugt der Waldboden nach und nach aus. Das rächt sich wiederum an den nachwachsenden Baumgenerationen.

 

Waldrebell aus der Eifel

 

Die Nachfrage nach Holz steigt also kontinuierlich und somit auch das Potential der wirtschaftlichen Nutzung unserer Wälder. Ausnutzung nennen es Einige! Die Forstwirtschaften stehen also unter einem immensen, wirtschaftlichen Druck. Einer der sich diesem Druck entzogen hat, ist Peter Wohlleben, seines Zeichens Förster in Hümmeln in der Eifel. Sein Wald ist ein natürlicher Buchenwald. Keine Fichtenkultur, wie sie in vielen Gebieten Deutschlands zu finden ist. In seinem Wald kann sich das Waldleben prächtig entwickeln und es gibt keinen versauerten Waldboden. Würde man den Wald in Deutschland nicht bewirtschaften, dann würde er überwiegend aus Laubbäumen, im Besonderen aus Buchen bestehen. Seit mehr als 15 Jahren bewirtschaftet Wohlleben seinen Wald im tatsächlichen Einklang zwischen Ökologie und Ökonomie. So verbietet er in seinem Revier zum Beispiel den Einsatz von schweren Harvestern, die den Waldboden zerstören. Stattdessen fällen Forstarbeiter die Bäume per Hand und Pferde ziehen sie an den Wegrand. Das ist sicher auf den ersten Blick teurer als die Ernte mit dem Harvester. Aber durch seine lukrative Waldwirtschaft macht er trotzdem Gewinn – im letzten Jahr rund 300.000,- €. 2006 ließ sich Peter Wohlleben aus dem lebenslangen Beamtendienst entlassen und wurde von der Gemeinde Hümmeln, die ihrerseits die Bewirtschaftung ihres Waldes durch den Staatsforst aufgekündigt hatte, als Förster eingestellt. Inzwischen verdient er sogar einen Teil seines Gewinnes damit, überhaupt nicht mehr in den Wald einzugreifen. Unternehmen wie z. B. Forest Finance unterstützen das Projekt „Wilde Buche“. Ein Teil des Waldes wurde komplett aus der Nutzung genommen, um hier einen Urwald von Morgen entstehen zu lassen. Auch ein Urnenforst wurde eingerichtet in dem sich bereits 2500 Menschen einen Grabplatz gekauft haben.

 

Alte Buchenwälder

Alte Buchenwälder im Spessart – so könnten die Urwälder von Morgen aussehen.

 

Zielsetzung der Bundesrepublik – Urwälder entstehen lassen

 

Eine Vorgabe der Bundesregierung innerhalb der Nationalen Biodiversitätsstrategie besagt, dass 5 % der gesamten deutschen Waldfläche (bzw. 10 % der Staatsforsten) aus der Nutzung genommen werden und in zukünftige, biologisch wertvolle Urwälder umgewandelt werden sollen. Bis heute konnte nur ein Bundesland, nämlich Mecklenburg-Vorpommern dieses Ziel erfüllen. Vor allem die waldreichen Bundesländer wie Thüringen, Bayern (beide unter 2%), Hessen und Baden-Württemberg (beide unter 1%) hinken diesem Ziel erheblich hinterher.

 

Es wird Zeit, umzudenken. Wir sind fast an einem Punkt angekommen, an dem wir dem Wald mehr Holz entnehmen, als nachwachsen kann. Der Wald verliert seine CO2-Senkenfunktion. Die Fichtenplantagen sind anfällig für Krankheiten und vertragen den Klimawandel nicht. Aber sie wachsen schneller als Buchen und versprechen somit höhere Gewinne. Allerdings kann das nicht unser alleiniges Ziel sein. Wir müssen zunächst den Lebensraum Wald für Mensch und Tier erhalten und schützen indem mehr Schutzgebiete eingerichtet werden. Wir müssen die natürlichen Jäger in den Wäldern wieder zulassen, um das ökologische Gleichgewicht im Wald wieder herzustellen. Dann können wir den Wald auch wirklich nachhaltig bewirtschaften. Ganz am Anfang dieses Prozesses steht allerdings mit Sicherheit die Herausforderung, unseren Konsum zu ändern.

 

 

 

 Bildquelle: Greenpeace Deutschland; Michael Kunkel

 

 

Verfasser des Beitrages

Jasmin Messina-Hamann unterstützt die Grünes Geld GmbH als Berater-Assistentin. Jasmin Messina-Hamann:“Ich freue mich, dass ich – neben meinem persönlichen Engagement (z. B. bei Greenpeace) – beruflich meinen Teil dazu beitragen kann, dass Nachhaltigkeit auch in der Finanzbranche kein Fremdwort mehr ist. Die Macht des eingesetzten Kapitals kann die Welt zum positiven verändern.“