Autor: Jasmin Messina 22. März 2013

Wasser–die Lebensquelle unseres Planeten

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2013 zum Jahr des Wassers ausgerufen und der 22. März  ist seit 1995 der internationale Tag des Wassers. 2012 stand dieser Tag unter dem Motto “Nahrungssicherheit und Wasser” und in diesem Jahr heißt es “Wasser und Zusammenarbeit”.
 
Das Thema Wasser hat uns auch in den letzten Wochen des öfteren in den Medien beschäftigt. Nachdem im Januar einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, dass die EU die Privatisierung der Wasserversorgung in ganz Europa vorantreiben möchte, ist die Empörung über diese Pläne gewachsen. In einigen Ländern ist dies längst passiert. Im Zuge der Schuldenkrise innerhalb der EU wurden Länder wie Griechenland und Portugal dazu bewegt, ihre Wasserversorger zu verkaufen. Seitdem soll zum Beispiel in Portugal das Wasser aus öffentlichen Brunnen nicht mehr trinkbar sein. Die Preise für die Trinkwasserversorgung sind innerhalb weniger Jahre um bis zu 400 Prozent angestiegen. Auch in Griechenland stehen weitere große Wasserwerke zum Verkauf, um kurzfristig die öffentlichen Kassen zu füllen.
 
Länder wie Frankreich und Großbritannien hingegen haben die Wasserversorgung bereits seit längerem in private Hände gelegt. In der Hoffnung, dass private Unternehmen effektiver arbeiten wurde die Verwaltung der Wasserwirtschaft in Frankreich zum Beispiel an Konzerne wie Veolia übergeben. In Großbritannien hingegen hat man gleich die komplette Infrastruktur verkauft. In beiden Ländern zeigt sich, dass zunehmend die Infrastruktur der Wasserversorgung leidet, da die Unternehmen vor kostspieligen Investitionen und Instandhaltungsarbeiten zurückschrecken. Das Wasser wird vermehrt mit Chlor und anderen Zusatzstoffen versetzt, die den Verfall der Rohrsysteme hinauszögern und so die Kosten gering halten.
 
In kaum einem anderen Land ist die Wasserqualität des Trinkwassers besser als in Deutschland. Es ist das am intensivsten kontrollierte Lebensmittel und uneingeschränkt zum Verzehr empfohlen. Die Skepsis in Bezug auf die Privatisierungspläne des Wassermarktes durch die EU ist also durchaus angebracht. Einige Verbraucher- und Umweltschutzverbände äußern sogar die Befürchtung, dass mit der Privatisierung der Wasserversorgung die Qualität von Trinkwasser ganz gezielt herabgesetzt werden könnte um somit den Verkauf von abgefülltem Wasser zu forcieren. Zumindest in Gebieten, in denen die Wasserversorgung gut ausgebaut und auf einem hohen Qualitätslevel anzusiedeln ist, scheint eine Privatisierung nicht im Interesse des Konsumenten zu sein.
 
 
Wasser - für uns selbstverständlich, aber in manchen Gegenden kostbarstes Luxusgut.

Wasser – für uns selbstverständlich, aber in manchen Gegenden kostbarstes Luxusgut.

 
 
Aber es gibt nicht nur “schwarze Schafe”. Viele Firmen setzen sich für einen nachhaltigen Ausbau der Wasseraufbereitung und –versorgung und auch für eine umweltverträgliche Rückgewinnung von Wasser ein. In der Industrie gibt es einen klaren Trend hin zur Optimierung der Prozesswasserverwendung (z. B. für Reinigungsprozesse). So gibt es Lösungen, das benötigte Wasser in geschlossene Kreisläufe zu führen, zu recyceln und immer wieder zu verwenden. Sowohl darauf spezialisierte Dienstleistungsunternehmen als auch die Firmen, die solche Anwendungen in Anspruch nehmen, können nur profitieren. Allerdings ist der Verbrauch von Wasser in diesem Bereich gemessen am Gesamtverbrauch in der Industrie tatsächlich relativ gering. Wesentlich problematischer ist der indirekte Wasserverbrauch der durch die Verwendung von Rohstoffen entsteht. Firmen, die daher konsequenter Weise auf den Einsatz von Rohstoffen achten, welche wassersparend hergestellt wurden, können hier als positives Beispiel vorangehen. Der Fondsanbieter Ökoworld hat 2008 den Fonds “Ökoworld Water for Life” aufgelegt. Dieser hat die strengsten ethisch-ökologischen Kriterien aller bisher aufgelegten, nachhaltigen Wasserfonds und investiert in Unternehmen, welche:
 
– Produkte und Dienstleistungen für Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Wasseraufbereitung und Wasserinfrastruktur anbieten.
 
– zum Erhalt der Qualität natürlicher Wasserspeichersysteme beitragen, z. B. durch die Vermeidung oder Verringerung von Schadstoffeinträgen in Böden und Gewässer.
 
– die Effizienz der Wassernutzung verbessern, z. B. durch optimierte Verbrauchsmessung und –abrechnung oder durch die Einrichtung geschlossener Nutzkreisläufe
 
Zusätzlich müssen alle Unternehmen in die der Fonds investiert, strenge allgemeine Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Ein Beispiel ist die Firma COPASA, Brasiliens drittgrößter Wasserversorger. Die Stadt Belo Horizonte, welche die Hauptstadt des von COPASA versorgten Bundesstaates Minas Gerais ist, wurde als Stadt mit dem besten Abwassernetz in Brasilien ermittelt. 97,4 % des Abwassers werden gesammelt und zu bester Wasserqualität wiederaufbereitet. Zur Klärung des Abwassers setzt COPASA ultraviolettes Licht ein statt z. B. umweltschädigendem Chlor. Weitere Projekte, die zur ökologischen Aufbereitung des Trinkwassers beitragen können sind in der Erforschung. Außerdem baut das Unternehmen eine Anlage, die das Biogas, das in den Kläranlagen entsteht, in Elektrizität umwandelt. Auch in ethischer Hinsicht ist das Unternehmen vorbildlich: einkommensschwache Kunden werden kostenlos an das Wasser- und Abwassernetz angeschlossen. Für Ihren monatlichen Verbrauch erhalten sie, unter 15 Kubikmetern eine Ermäßigung von bis zu 55% auf ihre Wasserrechnung. Weiterhin betreibt COPASA Aufklärung durch Besuche von Schulklassen und Vorträge in Bildungszentren um Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und Energie zu wecken.
 
Dieses Bewusstsein hat sich bei uns bereits in den letzten Jahren deutlich gesteigert. Seit 1990 ist der Tagesverbrauch an Trinkwasser pro Kopf von 147 Liter auf knapp 120 Liter gesunken. Darin ist z. B. Wasser zum Trinken, Waschen, Kochen und Duschen enthalten. Aber diese Zahl trügt! Inzwischen gibt es den Begriff “virtueller Wasserverbrauch”. Der Mensch sollte zwischen zwei und vier Liter Wasser am Tag trinken. Allerdings sind (je nach Ernährung) 2.000 bis 5.000 Liter Wasser notwendig, um die tägliche Ernährung zu produzieren. In Deutschland sind es im Schnitt 4.000 Liter. Das liegt vornehmlich am hohen Fleischkonsum, welcher durch den benötigten Getreideanbau für das Viehfutter sehr hoch im Wasserverbrauch anzusehen ist. Hier finden Sie eine sehr schöne Übersicht mit Beispielen für den virtuellen Wasserverbrauch:
 
 
Wasserverbrauch für die Herstellung von Lebensmitteln
 
 
Wasser ist für ein Überleben auf der Erde unverzichtbar. Allerdings hat bis heute knapp 1 Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und rund 2, 6 Milliarden Menschen haben keine Möglichkeit, auf sanitäre Anlagen zurückzugreifen. Im Hinblick auf das beständige Wachstum der Weltbevölkerung ist es eine der größten Herausforderungen unserer Zukunft, für eine gerechte Verteilung des “blauen Goldes” zu sorgen und eine stabile Versorgung mit Wasser zu gewährleisten, wenn man Konflikte wie zum Beispiel den “Wasserkrieg von Cochabamba” in Bolivien aus dem Jahr 2000 vermeiden will.  Ein schonender Einsatz und ein bewusster Umgang mit dieser kostbaren Ressource ist daher Grundvoraussetzung für die weitere Zukunft unseres Planeten.
 
 
Linktipp 1:
 
 
 Linktipp 2:
 
Ethisch-ökologisch sehr gut, Durchschnittsrendite der letzten 4 Jahre 15,4%: Wasser Einmalsparen 5000+ Ethik
 
 
 

Verfasser des Beitrages

Jasmin Messina-Hamann unterstützt die Grünes Geld GmbH als Berater-Assistentin. Jasmin Messina-Hamann:”Ich freue mich, dass ich – neben meinem persönlichen Engagement (z. B. bei Greenpeace) – beruflich meinen Teil dazu beitragen kann, dass Nachhaltigkeit auch in der Finanzbranche kein Fremdwort mehr ist. Die Macht des eingesetzten Kapitals kann die Welt zum positiven verändern.”

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