Autor: Carmen Junker 19. Juli 2016

„Teilen statt Besitzen“ – Bewusste Konsumentscheidung

Zusammenfassung: „Teilen statt Besitzen“ ist ein weithin akzeptierter Trend in vielen Lebensbereichen geworden. Für einen nachhaltigen und umweltgerechten Lebensstil ist es jedoch wichtig, das Konsumverhalten generell zu überdenken und gespartes Geld nachhaltig zu investieren.

 

 

„Sharing Economy“, „kollaborativer Konsum“, „Teilen statt Besitzen“ beziehungsweise „Nutzen statt Besitzen“ – Viele Begriffe für eine Idee: Dinge, die nicht dauerhaft benötigt werden, können auch von anderen Personen genutzt werden. Ein Gedanke, der in den vergangenen Jahren an Fahrt gewonnen hat und zunehmend an Akzeptanz und Beliebtheit gewinnt. Die Bandbreite der angebotenen Dinge ist unendlich, die Anzahl der Anbieter – sowohl professionelle Plattformen als auch ehrenamtliche Initiativen – steigt stetig an.

 

 

Große Anschaffungen gemeinsam ermöglichen

Car-Sharing, Erfolgsmodell  im Bereich "Teilen statt Besitzen".

Car-Sharing, Erfolgsmodell im Bereich „Teilen statt Besitzen“.

Die Idee des „Teilens statt Besitzens“ ist nicht neu. Schon immer wurden geteilt, um Projekte überhaupt erst möglich zu machen. Ein klassisches Beispiel ist der Bereich der Landwirtschaft. In sogenannten Maschinenringen, schaffen Landwirte gemeinsam große Geräte und Fahrzeuge an und übernehmen zusammen Pflege und Wartung.

 

Auch im privaten Bereich ist die Idee bereits seit einem Viertel Jahrhundert etabliert: Car-Sharing-Initiativen, in ihren Anfängen noch milde belächelt, haben rasant an Beliebtheit gewonnen und sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Vorreiter sind hier die Bewohner größerer Städte, die über ein funktionierendes Nahverkehrsnetz verfügen. Anfang des Jahres waren 1,26 Millionen Car-Sharing-Teilnehmer bei rund 150 Anbietern in Deutschland registriert.

 

Sowohl Maschinenring als auch Car-Sharing sind allerdings Beispiele dafür, dass „Teilen statt Besitzen“ besonders dann funktioniert, wenn es sich um hochpreisige Güter handelt. Denn die gemeinsame Anschaffung ist hier oftmals die einzige Alternative zum kompletten Verzicht.

 

 

Von der Nachbarschaftshilfe ins Internet

Anders sieht es im privaten Bereich aus. Denn hier haben sich die Möglichkeiten in den letzten Jahrzehnten durch günstig verfügbare Konsumgüter deutlich verändert.

 

Dennoch ist auch hier der Grundgedanke des Teilens statt Besitzens fest verankert. In einer gewachsenen Nachbarschaft auf dem Land genauso wie im Mehrfamilien-Altbau in Berlin: Verleihen unter Bekannten ist selbstverständlich. Der eine Nachbar besitzt den Vertikutierer, der andere den Häcksler für den Strauchschnitt – eine kurze Verständigung über den Gartenzaun hinweg und der Tausch ist perfekt. Der eine Haushalt hat ein Waffeleisen, der andere einen Einkochtopf, die Beispiele sind vielfältig.

 

Einbruch erlitt dieses etablierte, individuelle Tauschen durch den zunehmenden Massenkonsum und die beliebten Schnäppchen-Angebote der Discounter. War in den siebziger Jahren noch ein Fonduetopf ein hochwertiges Weihnachtsgeschenk, fanden sich derartige Angebote spätestens in den 90er Jahren in den wöchentlichen Werbeveröffentlichungen von Aldi & Co wieder – und das in einem Preissegment, dass jede Vernunft ausschaltet. Warum also extra zum Nachbarn gehen, wenn das Gerät auch im eigenen Schrank stehen kann? Aber jeder Trend provoziert einen Gegentrend.

 

Den eigenen Konsum überdenken und eingespartes sinnvoll invstieren.

Den eigenen Konsum überdenken und eingespartes Geld sinnvoll invstieren.

Abkehr vom Massenkonsum, Nachdenken, was wirklich benötigt wird. Die Band Silbermond liefert mit „Leichtes Gepäck“ derzeit die Hintergrundmusik zum kritischen Konsum. „Eines Tages fällt dir auf, dass du 99 Prozent nicht brauchst.“ Vielleicht sind 99 Prozent recht hoch gegriffen, die Feststellung, dass enorm viele Dinge nur eine bestimmte Zeit benötigt werden ist jedoch eine wichtige Erkenntnis und die Option, sich diese Dinge bei Bedarf ausleihen zu können, schont viele Ressourcen – nicht zuletzt den eigenen Geldbeutel. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie „Nutzen statt Besitzen“ die der NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben hat.

 

Wer keinen gut ausgestatteten Nachbarn hat, findet im Internet eine Vielzahl von Angeboten. Die Bandbreite geht hier vom gewerblichen Anbieter bis hin zu Projekten, die keinerlei kommerzielles Interesse verfolgen, wie etwa die Schweizer Sharing Community Pumpipumpe.

 

 

Kommerzielles Teilen als Alternative zum Massenkonsum

„Teilen statt Besitzen“ ist eine gute Möglichkeit, nachhaltig und bewusst zu konsumieren. Das Modell kann allerdings auch genutzt werden, um einfach nur mehr zu konsumieren. Ein Beispiel beschreibt das Wirtschaftsmagazin brand eins mit der Möglichkeit, modische Kleidung für ein bis zwei Wochen zu mieten. Vielleicht kein extrem bewusster Konsum. Ein Kleidertausch ist jedoch aus ökologischer Sicht gewiss ressourcenschonender als jede Woche Kleidung von Primark , H&M und Co. zu kaufen, die nach kurzer Tragezeit in der Mülltonne landet.

 

beliebteste-musterdepots-von-gruenes-geld

„Teilen statt Besitzen“ – ein zukunftsfähiges Modell. Doch auch hier gibt es Schattseiten. So sehen Kritiker in der zunehmenden Professionalisierung der Sharing-Angebote auch ein steigendes Gewinnstreben im privaten Bereich: Hat der Nachbar seine Bohrmaschine bislang gratis verliehen, stellt er sie jetzt als kostenpflichtiges Angebot ins Netz. Damit gehen auch soziale Beziehungen verloren.

 

 

Lebensqualität statt Verzicht

Den gesellschaftlichen Mehrwert einer Kultur des Teilens, die keine gewinnorientierten Interessen in den Vordergrund stellt, zeigt das Modell des Couchsurfings, das unter anderem durch die Sendung „Auf drei Sofas durch …“ populär geworden ist. Hier bieten Menschen in den unterschiedlichsten Städten und Ländern eine kostenlose Gästecouch an, ohne besonderen Komfort, dafür aber mit gegenseitigem Kennenlernen, gemeinsamen Unternehmungen und echten Insider-Tipps. Dagegen stehen Modelle, wie die Vermittlungsplattform des Home Sharing Services AirBnB, mit dessen Börsengang bereits gerechnet wird. Hier ist die Grundidee der Ökonomie des Teilens komplett in den Hintergrund gerutscht.

 

Wenn das Modell „Teilen statt Besitzen“ funktioniert, profitieren alle Beteiligten, denn in Zeiten des Klimawandels ist das Überdenken des eigenen Konsumstils sicher ein wichtiger Moment. Auch Soziologe Harald Welzer spricht sich entschieden für einen reduzierten Lebensstil aus. In seinem Buch „ Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand“ beschreibt er inspirierend verschiedene Modelle, die zum Wohl der Allgemeinheit beitragen. In seiner Stiftung „FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit“ beschäftigt sich Welzer mit der Erforschung, Entwicklung und Förderung alternativer Lebensstile und Wirtschaftsmodelle.

 

Harald Heinrichs, Professor für Nachhaltigkeit und Politik an der Leuphana Universität Lüneburg, bescheinigt der jüngeren Generation in Deutschland eine steigende Sensibilität für Umweltthemen. Den Trend zum Teilen und Leihen wird, so Heinrichs, nicht als Konsumverzicht sondern stärker als Gewinn an Lebensqualität verstanden. Rund ein Viertel der Deutschen sind auf der Suche nach Alternativen zur Wegwerfgesellschaft und definieren ihr Leben nicht über Eigentum.

 

 

Bewusst leben – nachhaltig investieren

Gelungen ist das Modell „Teilen statt Besitzen“, wenn das eingesparte Geld auch sinnvoll investiert wird. Die Unterstützung nachhaltiger Projekte ist eine gute Alternative zum Konsum um jeden Preis. Und die Möglichkeiten sind in diesem Bereich vielfältig.

 

Interessant ist es in jedem Fall, Projekte zu unterstützen, die den Schutz des Klimas forcieren. So nutzt der bewusste und reduzierte Konsum gleich zweimal der Umwelt: Zum einen, durch das Vermeiden überflüssiger Konsumgüter, zum anderen durch die aktive Förderung regenerativer Energiequellen, nachhaltiger Verkehrsträger und weiteren Projekten für eine bessere Welt.

 

 

Carmen Junker Verfasser des Beitrages:Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“.
Facebook Like

Comments are closed.