Autor: Gerd Junker 20. Dezember 2016

Mobiltelefone – Smart und fair kaufen, behalten, Geld sparen

Zusammenfassung: Mobiltelefone, Smartphones, Handys – sie haben das Alltagsleben massiv verändert und bieten ihren Nutzern viele attraktive Funktionen. In der Herstellung sind diese Geräte allerdings weniger smart. Beim Abbau der notwendigen Metalle und Mineralien werden Mensch und Natur brutal ausgebeutet. Auswege bieten ein bewusster Umgang mit den Geräten: lange Nutzung, alternative Anbieter, Reparatur und Recycling.

 

 

Smartphones sind aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken.

Smartphones sind aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken.

Zum Weihnachtfest werden sie wieder auf vielen Gabentischen liegen: Smartphones erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Kein Wunder, schließlich vereinigt dieses kleine Gerät unzählige Funktionen, für die noch vor wenigen Jahren viele unterschiedliche Geräte notwendig waren. Telefon, Computer, Kamera, Navigationsgerät, Diktiergerät, MP3-Player, Radio – mit einem Smartphone hat man einfach alles im Griff.

 

Laut Branchenverband Bitkom e.V. planen rund 30 Prozent der Deutschen planen, sich zum Jahresende selbst ein neues Smartphone anzuschaffen. Weitere 5 Prozent planen ein Smartphone als Geschenk.

 

 

Mobiltelefone entwickeln sich zu Wegwerfartikeln

Oftmals sind die vermeintlich alten Modelle noch voll funktionstüchtig, jedoch nicht mehr auf dem letzten Stand der technischen Entwicklung. Die alten Geräte werden teilweise weiterverkauft oder innerhalb der Familie oder des Freundeskreises weitergegeben. Viele Altgeräte landen jedoch auf dem Müll beziehungsweise bei der Wertstoffwiederverwertung. Die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Smartphones liegt mittlerweile unter zwei Jahren.

 

Die kurze Nutzungsdauer eines Smartphones hat einen hohen Ressourcenverbrauch zur Folge. Darüber hinaus ist die Handy-Produktion auch ein Treiber von blutigen Auseinandersetzungen im Kampf um die begehrten Rohstoffe zur Handy-Produktion. Ebenso zeichnen Mobiltelefone auch für einen massiven Raubbau an der Umwelt verantwortlich.

 

 

Wertvolle Rohstoffe in Mobiltelefonen

Während bei vielen technischen Produkten Entwicklung, Know-how und Marketing die entscheidenden Kostenfaktoren darstellen und die Materialien kaum eine preisliche Rolle spielen, sind in Mobiltelefonen wertvolle Rohstoffe enthalten: unter anderem Gold, Platin, Kupfer, Coltan und die Metalle von sogenannten Seltenen Erden.

 

China baut seine Marktmacht in Sachen Mobilfontechnologie massiv aus und hat durch große Vorkommen der begehrten Seltenen Erden die notwendigen Rohstoffe im Land. Mehr als die Hälfte der Seltenen Erden werden in China, nahe der Wüste Gobi, abgebaut. Dieser Abbau stellt die Umwelt auf eine harte Prüfung. Die Metalle werden mit Säuren aus aufgebohrten Gesteinen chemisch ausgewaschen. Zurück bleiben hochgiftige und radioaktive Abfälle, die in künstlichen Seen gelagert werden. Da die Umweltauflagen in China in diesem Bereich nicht sonderlich streng sind, besteht in den Abbauregionen eine große Gefahr, dass Grundwasser und den angrenzenden Gelben Fluss verseucht werden.

 

 

Raubbau durch Recycling

Innere Werte: Handys und Smartphones seltene Rohstoffe.

Innere Werte: Handys und Smartphones enthalten seltene Rohstoffe.

Bereits vor der großen Smartphone-Welle hat allerdings die chinesische Stadt Guiyu in der Provinz Guangdong den traurigen Titel „Computerschrott-Hölle“ erworben. Schon seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts arbeiten die Menschen in dort, unterstützt von unzähligen Wanderarbeitern, auf riesigen Deponien für Elektronikgeräte. Der Elektroschrott wird dabei in erster Linie aus den USA, Europa, Japan und Taiwan angeliefert.

 

In Guiyu werden dann Drucker, Monitore, Computer und zunehmend auch mobile Geräte auseinandergenommen, um an die wertvollen Metalle zu kommen. Was auf den ersten Blick nach einem sinnvollen Recycling klingt, sieht in der Realität anders aus. Die Arbeiter schmelzen über offenen Kohlefeuern Computerplatinen, Kabel und Transistoren in einem Quecksilberbad, um an die begehrten Metalle zu kommen. Die Arbeiter verfügen dabei kaum über angemessen Schutzkleidung und atmen die giftigen Quecksilberdämpfe ein und tragen Verätzungen davon. Gleichzeitig geraten Chemikalien direkt in den Boden und machen das Trinkwasser in der Region ungenießbar.

 

Rund 1,5 Millionen Tonnen alter Elektronikgeräte werden pro Jahr in Guiyu verarbeitet. Die Schattenseiten der Wiederverwertung werden hier deutlich: Die Gesundheit der Arbeiter und die Umwelt werden massiv geschädigt.

 

 

Krieg um Rohstoffe im Kongo

Obwohl offiziell seit 2002 in der Demokratischen Republik Kongo Frieden herrscht, stehen blutige Konflikte im Land noch immer an der Tagesordnung. Und obwohl das Land über wertvolle Rohstoffvorkommen verfügt, zählt der Kongo zu den ärmsten Staaten weltweit. Denn seit vielen Jahren liefern sich unterschiedliche Gruppen erbitterte Kämpfe um die Minen, in denen Erze, in erster Linie Coltan, abgebaut werden, wertvolle Rohstoffe für die Handyproduktion. Schätzungen zufolge sind bei diesem Krieg bereits fünf Millionen Menschen gestorben. Der dänische Dokumentarfilmer Frank Piasecki Poulsen hat bereits 2010 in seinem Film „Blood in the Mobile“ die unmenschlichen Arbeitsbedingungen im Kongo gezeigt und Mobilfunkanbieter aufgefordert, mehr Verantwortung zu übernehmen.

 

 

4 Wege aus dem Smartphone-Dilemma

Kaum ein Smartphone-Käufer möchte Krieg, Ausbeutung und Raubbau an der Umwelt willentlich und wissentlich unterstützten. Aber deshalb auf die Errungenschaften der Technik verzichten? Mit den folgenden vier Vorschlägen, kann die Smartphone-Nutzung nachhaltiger gestaltet werden.

 

 

1. Mobiltelefone lange nutzen

Im Allgemeinen laufen Handy-Verträge über zwei Jahre. Alle zwei Jahre möchte also der Netzanbieter den Vertrag verlängern und bietet gleichzeitig ein neues Gerät günstig an. Da der Preis des neuen Vertrags-Handys weit unter dem Listenpreis liegt, greifen viele zu, obwohl das bisherige Gerät noch gut funktioniert. In Sachen Nachhaltigkeit ein fataler Fehler und auch finanziell gesehen eine Milchmädchenrechnung, denn auch ein günstiges Gerät, das nicht gebraucht wird, ist sinnlos ausgegebenes Geld.

 

 

2. Mobiltelefone aus dem Gebrauchtmarkt

Alles, was nicht neu produziert werden muss, schont Ressourcen und damit die gesamte Umwelt. Im Fall eines Smartphone-Kaufs ist es sicher sinnvoll, ein gebrauchtes Gerät zu wählen. Denn so werden menschenrechtsverletzende und umweltzerstörende Unternehmen nicht unterstützt und neuer Elektroschrott vermieden. Angenehmer Nebeneffekt für den Käufer: eine ordentliche Geldersparnis.

 

 

3. Wenn es ein neues Smartphone sein muss

Eine Alternative zu den gängigen Smartphone-Modellen bietet seit 2013 die niederländische Fairphone B.V. Das Unternehmen befolgt bei der Entwicklung und Produktion soziale und ökologische Nachhaltigkeitskriterien und hat es sich zum Ziel gesetzt, ein ressourcenschonendes Smartphone zu entwickeln und zu vermarkten. Seit einem Jahr ist das überarbeitete Fairphone 2 auf dem Markt. Dieses ist modular aufgebaut. Mit Hilfe eines Feinmechanik-Schraubendrehers können einzelne Komponenten leicht ausgetauscht werden Das erhöht die Lebensdauer des Gerätes und spart unnötigen Abfall. Fairphone B.V. lässt die Fairphones zwar auch in Asien produzieren, verfügt jedoch über hohe Standards in Sachen Arbeitssicherheit, faire Bezahlung und ökologische Nachhaltigkeit. So legt das Unternehmen nicht nur seine Produktion offen, sondern gibt auch Auskunft über die Herkunft und Zulieferer der verwendeten Rohstoffe.

 

Ebenfalls in diesem Feld aktiv ist seit 2014 das hessische Familienunternehmen SHIFT GmbH, das mit seinen Shiftphones und Notebooks ebenfalls faire und ökologisch nachhaltige und Coltan-freie Geräte auf den Markt gebracht hat.

 

 

4. Reparatur und – wenn wirklich gar nichts mehr geht – Recycling

Smartphones gehen auch einmal kaputt. Besonders anfällig ist das Display. Hier lohnt sich eigentlich immer eine Reparatur. Auch bei größeren Reparaturen ist es durchaus sinnvoll, das Gerät nicht gleich durch ein neues Modell zu ersetzen. Wenn allerdings wirklich nichts mehr zu machen ist, zählt das Mobiltelefon zu den Elektroaltgeräten und muss entsprechend entsorgt werden.

 

Obwohl Mobiltelefone wertvolle Materialien enthalten und im chinesischen Guiyu im großen Stil Metalle ausgeschmolzen werden, ist die Recyclingquote generell noch gering. Insgesamt werden weniger als 20 Prozent der wegegeworfenen Elektronikgeräte weltweit recycelt. Die deutsche Umwelthilfe sowie viele Umwelt- und Naturschutzverbände nehmen alte Handys und Smartphones gerne entgegen und führen diese der professionellen Wiederverwertung zu. Tipps zum Umgang mit Altgeräten gibt auch die Organisation Germanwatch.

 

 

Faire Mobiltelefone – ethische Geldanlagen

Die Geschichte des Handys ist komplex, aber faire Alternativen sind im Kommen. Ebenso verhält es sich auch in Sachen Geldanlagen. Mussten früher nur die Erträge stimmen, interessieren sich zunehmend Anleger auch dafür, welche Unternehmen, Staaten und Technologien mit dem investierten Geld unterstützt werden. Grünes Geld  ist Experte für ethisch-ökologische Geldanlagen. Hier können Sie sicher sein, dass Ihr Geld nicht bei Unternehmen landet, die für Ausbeutung, Krieg und Umweltzerstörung verantwortlich sind.

 

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Portraitfoto Gerd Junker Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.
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