Autor: Gerd Junker 21. Februar 2017

Palmöl – Schmierige Geschäfte

Zusammenfassung: Palmöl ist heutzutage Bestandteil in unzähligen Lebensmitteln, Reinigungsmitteln und Kosmetika. Der weltweite Bedarf steigt rapide an. Für immer neue Palmöl-Plantagen werden ökologisch wichtige Regenwälder zerstört. Damit ist nicht nur die Biodiversität in den Regionen bedroht, sondern auch das globale Klima. Abhilfe schaffen maßvoller Konsum, fairer Handel und Aufforstungsprogramme.

 

 

Palmöl ist in unzähligen Lebensmitteln und Kosmetika enthalten.

Öle waren von jeher wertvoll und begehrt. Vielfältige Pflanzenöle dienten bereits in der Antike der Zubereitung von Speisen, ätherische Öle wurden zu kosmetischen und medizinischen Zwecken eingesetzt. Bis ins letzte Jahrhundert hinein war Deutschland allerdings in Sachen Öl eher verhalten. In der traditionellen Küche triumphierten lange tierische Speisefette wie Butter und Schmalz über Olivenöl & Co.

 

Das hat sich mittlerweile drastisch geändert. Grund dafür ist aber nicht nur die Aufgeschlossenheit gegenüber pflanzlichen Lebensmitteln und die generelle Erweiterung des kulinarischen Horizonts. Vielmehr trägt die Globalisierung des Lebensmittelmarktes dazu bei, dass ein Öl mittlerweile in einer Vielzahl unserer Nahrungs- und Pflegemittel steckt: das Palmöl.

 

 

Palmöl – fast überall dabei

Palmöl ist weltweit das bedeutendste Pflanzenöl und hält einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent im pflanzlichen Ölgeschäft. Rund 56 Millionen Tonnen werden pro Jahr produziert. Experten gehen davon aus, dass sich die Nachfrage nach Palmöl in den kommenden dreißig Jahren verdreifachen wird. Um diese Mengen zu produzieren, müssten die weltweiten Anbaugebiete extrem ausgeweitet werden.

 

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen. Die Ölpalme zählt zu den effizientesten Ölpflanzen. Für ihren Ertrag benötigt die Pflanze beispielsweise nur ein Drittel der Anbaufläche gegenüber der Rapspflanze und nur ein Sechstel verglichen mit Soja. Durch den relativ geringeren Ressourcenverbrauch ist Palmöl billig zu produzieren. Zudem ist Palmöl aufgrund seiner Viskosität einfach zu verarbeiten und kommt mit unterschiedlichen Verarbeitungstemperaturen gut zurecht. Palmöl wird zu etwas 68 Prozent in der Nahrungsmittelindustrie verwendet. 27 Prozent werden zu Putz- und Reinigungsmitteln sowie zu Kosmetika verarbeitet, 5 Prozent werden in der Energiegewinnung, beispielsweise in der Herstellung von Agrotreibstoffen, verwendet.

 

 

Umwelt- und Verbraucherinitiativen gehen davon aus, dass aktuell in Deutschland quasi jedes zweite Produkt im Supermarkt Palmöl enthält. Backwaren, Fertigmüsli, Speisefette, Schokoaufstrich, Süßigkeiten, Fertiggerichte, Waschmittel, Make-up, Duschgel, Hautcreme – in unzähligen Produkten des täglichen Bedarfs ist Palmöl enthalten, teilweise muss Palmöl als Bestandteil nicht einmal besonders deklariert werde. Dabei sind nicht nur konventionelle Marken betroffen, Palmöl wird auch in Bio-Produkten eingesetzt.

 

 

Klimakiller Palmöl

Der größte Teil des Palmöls, stammt aus Malaysia (36 Prozent) und zu mehr als die Hälfte aus Indonesien (53 Prozent). Dort werden Ölpalmen auf riesigen Plantagen in Monokultur angebaut.

 

Die Anbauflächen sind zum größten Teil Urwaldgebiete, die für den Anbau der Ölpalmen gerodet und trockengelegt wurden. Dort finden die Palmen optimale Wachstumsbedingungen. Durch die weltweit steigende Nachfrage nach Palmöl besteht die Gefahr, dass in wenigen Jahrzehnten sämtliche geeigneten Urwälder abgeholzt werden und Ölpalmen-Plantagen weichen müssen.

 

Der so entstehende Torfboden entwickelt sich zur ökologischen Bedrohung, denn das vormals in den Urwäldern gespeichertes CO2 wird als klimaschädliches Treibhausgas in die Atmosphäre emittiert. Ölpalmen wachsen im wahrsten Sinn des Wortes auf verbrannter Erde. Denn abgesehen von der generellen Öko-Problematik kommt hinzu, dass die Urwälder auf den Inseln Sumatra und Borneo vielfach durch illegale Brandrodung abgeholzt werden und dabei unkontrollierte Waldbrände verursachen.

 

 

Gefahr für Mensch und Natur

Orang Utan auf Sumatra – sein Lebensraum ist extrem bedroht.

Dieser Raubbau an der Natur führt dazu, dass vielfältige Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. In Indonesien kämpfen beispielsweise Orang Utan und der Sumatra-Tiger ums Überleben. Laut Studien der Umweltorganisation Greenpeace sind die Regenwälder Südostasiens seit 2006 bereits um mehr als 15 Prozent geschrumpft. Dabei wird nicht nur der Lebensraum der Tiere zerstört, auch Urwaldvölker werden durch Rodungen und Brände enteignet und von ihrem Land vertrieben.

 

Die Vernichtung der Regenwälder in großen Teilen Indonesiens hat dazu geführt, dass sich das Land mittlerweile auf den unrühmlichen dritten Platz der weltweiten CO2-Produzenten manövriert, gleich hinter den USA und China. Allerdings gräbt sich das Land damit auch selbst die Lebensgrundlage ab, denn durch seinen großen Küstenanteil zählt Indonesien zu den Staaten, die durch die Erderwärmung besonders bedroht sind.

 

Die wirtschaftliche Nutzung der Regenwälder ist zu einem bedeutenden Entwicklungsfaktor geworden. Entsprechend führt der anhaltende Palmöl-Boom auch zum Aufbau von Plantagen in anderen Teilen der Welt. So entdecken auch immer mehr Länder West- und Zentralafrikas den lukrativen Palmöl-Anbau für sich. Auch hier fallen Urwälder dem Monokulturanbau zum Opfer. Gleichzeitig werden die Lebensräume von Gorillas, Schimpansen und Bonobos bedroht.

 

 

Weniger hilft viel

Palmöl zu entgehen, ist schwierig geworden. Auch im Bereich des ansonsten sinnvollen ökologischen Anbaus, ist in Sachen Palmöl Vorsicht angesagt, denn auch Bio-Palmöle stammen oftmals von brandgerodeten Plantagen. Das Bio-Siegel stellt lediglich sicher, dass keine gesundheitsschädlichen Pflanzengifte eingesetzt wurden. Ein nachhaltiger Ansatz sollte jedoch weiter reichen und in der Tat kann aktuell kein Konzern garantieren, dass das verwendete Palmöl aus umweltverträglicher Produktion stammt.

 

Während noch vor einem Jahrzehnt kritische Verbraucher auf den Ingredienzienlisten von Kosmetika nach unliebsamen Mineralölen suchten und in Lebensmitteln nach versteckten tierischen Fetten Ausschau hielten, gilt jetzt das Siegel „frei von Palmöl“ heute schnell als ökologisches Gütesiegel. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille, denn auf der anderen Seite wird Palmöl als effizient nachwachsender Rohstoff als Alternative zu tierischen Produkten gesehen und auch als mögliche Alternative zum immer knapper werdenden Erdöl.

 

Angesichts des Massenkonsums kann Palmöl allerdings kaum nachhaltig angebaut werden. Und auch mit anderen Rohstoffen ist es schwierig nachhaltig zu wirtschaften, wenn die weltweite Nachfrage ungebrochen steigt. Und das tut sie, denn der Anteil an stark verarbeiteten und industriell gefertigten Nahrungsmitteln steigt weiter an.

 

Umdenken ist also generell angesagt, denn weniger Konsum bedeutet mehr Nachhaltigkeit. Der exzessive Palmöl-Anbau stellt eine ökologische Bedrohung dar. Aber er ist auch nur ein Puzzleteil im globalen Raubbau an der Natur. Lösungswege können vielfältig sein. Dazu zählen auch die Rückbesinnung auf regionale und traditionell gefertigte Lebensmittel und ein bewusster und verantwortungsvoller Konsum.

 

 

Nachhaltig wirtschaften – Regenwälder erhalten

Nachhaltigkeit ist der Ausweg aus der globalen Klimakrise und aus dem umweltzerstörenden und menschenrechtsverletzenden Wirtschaften. Das Beispiel der Ölpalmen zeigt, dass Baum nicht gleich Baum ist: Denn Palmen in Monokultur leisten bei weitem nicht den gleichen Beitrag wie ein biodiverser Mischwald. Von der Zerstörung des Bodens sowie der Tier- und Pflanzenwelt ganz zu schweigen.

 

Wirtschaftliche Interessen leiten weltweite Entwicklungen. Hier gilt es den Hebel anzusetzen und Geld gezielt dort zu investieren, wo es wirklichen Nutzen bringt. In der nachhaltigen Aufforstung, in der Förderung selbstständiger Arbeit in Entwicklungsländern oder klimafreundlichen Projekten.

 

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Portraitfoto Gerd Junker Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

 

 

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