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Investment-Steuer-Reform 1.1.2018: Was Sie als Anleger jetzt tun sollten

Dienstag, 17. Oktober 2017
Zusammenfassung: Zum 1.1.2018 greift die bisher größte Steuerreform zur Besteuerung von Kapitalerträgen aus Investmentfonds. Nahezu jeder Anleger ist betroffen. Handlungsbedarf gibt es besonders, falls Sie ein ausländisches Depot besitzen oder falls die Freistellungsaufträge nicht korrekt verteilt sind.

 

Der Artikel gliedert sich in Teil 1 (Erklärung der Steuer-Reform) und in Teil 2 (Handlungsempfehlungen).

 

 

Teil 1 – Erklärung der Steuerreform

 

Um was geht es bei der Investment-Steuer-Reform?

 

 

Wichtig bei jeder Geldanlage: Wie sieht die Besteuerung aus? Zum 1.1.2018 erfolgt eine der größten Steuerreformen für Investmentfonds.

Am 1. Januar 2018 beginnt die wohl größte Steuer-Reform zur Besteuerung von Gewinnen aus Investmentfonds die Deutschland bisher erlebt hat. Jeder der in Investmentfonds investiert ist und Steuern zahlt, wird an der ein oder anderen Stelle davon berührt werden.

 

Dabei muss man wissen: Nach der Brutto-Rendite sind die zu zahlenden Steuern der zweitwichtigste Faktor für ein erfolgreiches Anlegen. Vater Staat sitzt also immer mit am Tisch, wenn es um die Verteilung der Gewinne aus Geldanlagen geht.

 

Da sein Anteil mit fast 30 Prozent am erzielten Gewinn darüber hinaus auch sehr groß ist – schließlich wird ja nur Geld angelegt, das schon einmal versteuert wurde – muss sich jeder Anleger auch mit dem Thema Steuern befassen.

 

In Summe ist der Ansatz erkennbar, dass man die Höhe der Besteuerung im Durchschnitt in etwa gleich lassen wollte. Doch wie es mit dem Durchschnitt immer ist: Wenn ein Jäger einen Schuss vor ein Fuchs setzt und einen Schuss hinter einen Schuss, ist der Fuchs im Durchschnitt genau getroffen – in der Realität wird das Tier jedoch noch munter weiter leben.

 

Von daher gibt es grundsätzlich Verlierer und Gewinner der großen Investmentsteuer-Reform zum 1.1.2018. Damit Sie auf der richtigen Seite stehen und zu den Gewinnern gehören, haben wir auf diesem Aritkel alle Punkte, die Sie zwingend prüfen und eventuell korrigieren sollten, zusammen gefasst.

 

 

Grundsätzlicher Wandel: Fonds müssen selbst Steuern zahlen und es werden pauschal Steuern veranschlagt

 

Bisher waren Investmentfonds grundsätzlich steuerlich transparent, das heißt, der Investmentfonds selbst hat keine Steuern auf die Gewinne abgeführt. Es wurde so getan, als ob der Anleger die Wertpapiere des Fonds selbst halten würde. In der Praxis führte das jedoch zu relativ vielen Regelungen – es gab insgesamt 33 Besteuerungsgrundlagen (!).

 

Besonders bei ausländischen Fonds, die keine Ausschüttungen an die Anleger leisteten sondern die Gewinne sammelten und re-investierten, führte das zu aufwendigen manuellen Tätigkeiten bei den Anlegern. Ziel der Steuer-Reform ist eine Vereinfachung und eine Anpassung in Hinsicht auf europäische Regelungen.

 

Mit der Steuer-Reform brauchen zukünftig nur noch 5 Daten vorliegen:

  • – steuerliche Einordnung des Fonds als Aktien-, Misch- oder Immobilienfonds
  • – Rücknahmepreis zu Beginn des Kalenderjahres
  • – Rücknahmepreis zum Ende des Kalenderjahres
  • – Höhe der Ausschüttungen in einem Kalenderjahr
  • – Basiszins

 

 

Auch mit der Einführung der Vorab-Besteuerung durch die sogenannte Vorabpauschale wird Neuland betreten. Erstmals nimmt der Staat einen zu versteuernden Gewinn einfach an und lässt darauf – praktisch auf Verdacht – Steuern zahlen. Erst im Nachhinein wird das gegebenenfalls wieder korrigiert.

 

Die neuen Steuerregeln verständlich erklärt

Auch wenn das folgende Schaubild zunächst verwirrend aussehen mag, ist es der Schlüssel zum Verstehen der Investmentsteuerreform:

Schaubild zur Investmentsteuerreform nach Dr. Udo Delp

 

Das Schaubild ist eines der wenigen Schaubilder, die die neue Investmentsteuer-Reform übersichtlich auf einer Seite abbilden und alle wesentlichen Punkte erfassen.

 

Was ist zu erkennen?

 

Bitte beachten Sie zunächst auf der linken Seite die rot umrandeten Bereiche

  • – Eingangsseite
  • – Fondsebene
  • – Ausgangsseite

 

Nach diesen Bereichen muss bei der Besteuerung ebenfalls unterschieden werden. Übrigens: ausländische und inländische Fonds werden ab 1.1.2018 gleich behandelt.

 

Eingangsseite

 

Die Besteuerung erfolgt auf diesem Schaubild von oben nach unten. Fangen wir oben an: „Grundstruktur der Erträge“.

 

Diese Erträge sind grundsätzliche alle Einnahmen, die ein Fonds erzielt. Typischerweise sind das Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren, Dividenden aus Wertpapieren, Mieterträge, Zinsgewinne, usw.

 

Fondsebene

 

Diese Erträge gehen als nächstes durch die Ebene „Vorbelastung“ bzw. „Restliche Erträge ohne Steuerbelastung“. Hier fällt auf, dass die Vorbelastung praktisch nur die Dividenden und die Mieteinnahmen besteuert (mit 15 Prozent). Alles weitere, zum Beispiel die bei Aktienfonds entscheidenden Kursgewinne, bleiben OHNE VORBELASTUNG.

 

Schüttet eine von einem Investmentfonds gehaltenen Aktie einen Dividende aus, werden von ihr die ausländische Quellensteuer (häufig: 15% des Gewinns) oder bei inländischen Aktien die Abgeltungssteuer in Höhe von ebenfalls 15% inkl. Soli, abgezogen. Es kommen also in der Regel nur 85 Prozent der ausgeschütteten Dividende tatsächlich beim Anleger an.

 

Ausgangsseite

 

Jetzt können ausgangsseitig 3 zu besteuernde Beträge unterschieden werden:

 

Betrag 1: Ausschüttungen (bei sogenannten „ausschüttenden Fonds„)

Betrag 2: Vorabpauschale: Es wird zu  Beginn eines Kalenderjahres (z.B. zum 1.1.2019) eine Besteuerung auf erwartete Wertsteigerungen (Gewinne) vorgenommen. Die Berechnung im Detail finden Sie hier.

Betrag 3: Beim Verkauf wird der Gewinn / Verlust minus angesetzter Vorabpauschalen verwendet

 

Von diesen 3 Beträgen wird – abhängig von der Art des Fonds – nur ein Teil besteuert. Der andere Teil wird von der Besteuerung freigestellt, um die Vorbelastung durch die oben genannten neuen Steuern auf Fondsebene auszugleichen.

 

Da die neuen Steuern nur Dividenden und Mieterträge betreffen, werden auch nur Fonds mit Dividenenerträgen (also Aktien- und Mischfonds) oder Mieterträgen (Immobilienfonds) freigestellt.

 

Wie im Schaubild erkennbar, gelten für Privatpersonen (Privatvermögen = PV) folgende Sätze:

  • – Aktienfonds mit mehr als 50% Aktienanteil: 30 Prozent werden freigestellt
  • – Mischfonds mit mehr als 25%, weniger als 51% Aktienanteil: 15 Prozent
  • – Immobilienfonds je nach ausländischem Immobilienanteil 80% oder 60%

 

Hier die Gewinner: Hat man einen Aktienfonds, der nur Aktien hält, die wenig oder keine Dividenden ausschütten, fällt keine oder nur eine geringe Vorbelastung von 15 Prozent der Dividenden an. Trotzdem erhält der Anleger einen Teilfreistellung von 30 Prozent des Gewinnes. Grob gesagt spart dieser Anleger also zukünftig bis zu 30 Prozent der Steuern ein.

 

Hier die Verlierer: Im Zuge der Reform hat der Gesetzgeber einen Zusage aus dem Jahre 2007 gekippt – damals führt er die sogenannte Abgeltungssteuer ein, während vorher die komplette Steuerfreiheit für länger als 1 Jahr gehaltene Fondsanteile galt. Um diese Umstellung zu mildern, versprach er damals die Steuerfreiheit auf Gewinne für alle Fondsanteile, die vor dem 1.1.2009 gekauft und mindestens ein 1 Jahr gehalten wurden.

 

Achtung – an diese Zusage erinnert sich Berlin jetzt nicht mehr; ab 1.1.2018 sind auch die Gewinne dieser Alt-Anteile zu versteuern! Es gelten Freibeträge von 100.000 Euro pro Steuerpflichtigem, was über die Jahre allerdings von vielen erreicht werden dürfte. Auch kann der Freibetrag besser genutzt werden, wenn man hohe Fondsbestände auf mehrere Anleger (z.B. Partner, Kinder, etc.) aufteilt, denn das ist möglich.

 

 

 

 

 

 

 

Teil 2 – Handlungsempfehlungen

Was tun mit vor 2009 erworbenen Fondsanteilen?

Wie oben erwähnt kippt die Regierung die Steuerfreiheit für vor 1.1.2009 erworbene Anteile an Investmentfonds. Für ab dem 1.1.2018 erzielte Gewinne dieser Fondsanteile wird die Besteuerung eingeführt.

 

Aus diesem Grund sollte jedoch niemand seine Alt-Anteile verkaufen. Denn die bis 31.12.2017 erzielten Kapitalerträge bleiben auf jeden Fall steuerfrei. Für die ab 1.1.2018 erzielten Kapitalerträge gilt ein Freibetrag pro Inhaber von 100.000 Euro.

 

Solange dieser recht großzügige Freibetrag nicht ausgenutzt ist, gibt es keinen steuerlichen Grund, die Altbestände zu verkaufen. Unberührt davon bleiben die sonstigen Gründe, weil sich zum Beispiel der Investment-Ansatz überholt hat oder vielleicht keine ethisch-ökologischen Kriterien angelegt wurden.

 

Wenn der Freibetrag ausgeschöpft ist, kann über Schenkungen eines Teils der Anteile z.B. an die Kinder nachgedacht werden. Hintergrund: der Freibetrag gilt pro Inhaber von Fondsanteilen und bleibt erhalten, wenn die Anteile verschenkt werden.

 

Achtung: Der Freibetrag wird über eine Steuererklärung angesetzt und muss entsprechend selbst vom Anleger eingeholt werden.

 

 

Wie gehen meine Fonds mit der Teilfreistellung um?

Da nach neuer Regelung der Fonds auf einen Teil seiner erzielten Einnahmen und Gewinne bereits Steuern abführt, wird der Anleger bei der Besteuerung der Fonds-Gewinne entlastet.

 

Das geschieht über die sogenannte Teilfreistellung, da nur ein Teil der Gewinne steuerlich nicht berücksichtigt wird.

 

Es gilt die Tabelle von oben.

 

Die Teilfreistellung gilt nur, wenn sich die Fonds zu bestimmten Schwellwerten bekennen, als zum Beispiel angeben, dass sie die 50 Prozent Aktienquote immer halten. Damit werden sie als Aktienfonds mit der höchsten Freistellung von 30 Prozent eingestuft.

 

Wichtig: Sie müssen selbst prüfen, dass Ihre Fonds die Teilfreistellung nutzen. Fonds ohne Teilfreistellung sollten Sie einen Wechsel der Fonds in Betracht ziehen.

 

Ausländische Depotbank 1: Aufwendige Regelung für fiktive Veräußerungsgewinne

Die bis 31.12.2017 aufgelaufenen Wertzuwächse der Fonds werden anders besteuert als die ab 1.1.2018 anfallenden Gewinne.

 

Um das steuerlich sauber abbilden zu können hat der Gesetzgeber festgelegt, dass alle Fondsanteil in den Depots der Anleger fiktiv am 31.12.2017 verkauft werden. Es wird der bis dahin nach altem Recht anfallende, beim Anleger zu versteuernde Gewinn ermittelt und festgehalten.

 

Erst beim späteren, tatsächlichen Verkauf der Fondsanteile muss diese Steuerschuld beglichen werden.

 

Bei einem Depot bei einer inländischen Depotbank macht das die Depotbank automatisch im Hintergrund.

 

Bei einer ausländischen Depotbank, zum Beispiel in der Schweiz, muss der Anleger die Gewinne seiner Fonds bis 31.12.2017 selbst ermitteln und über eine Steuererklärung, die ja in aller Regel Kosten und Aufwände auslöst, bis 31.12.2021 dem Finanzamt melden.

 

Es sollte also geprüft werden, ob nicht ein Wechsel der Depotbank vom Ausland ins Inland noch vor 31.12.2017 erfolgen sollte.

 

Ausländische Depotbank 2: Belege sammeln oder ins Inland umziehen

Wenn Sie Investmentfonds in ausländischen Depots halten, müssen Sie zukünftig jährlich die Vorabpauschale entrichten.

 

Beim Verkauf der Investmentfonds-Anteile wird der damit erzielte Gewinn ermittelt. Von diesem Gewinn werden die bereits gezahlten „Vorabpauschalen“ abgezogen, bevor die Steuer ermittelt wird.

 

Bei inländischen Depots übernimmt das die Depotbank für Sie. Bei ausländischen Depots müssen Sie selbst die Nachweise über gezahlte Vorabpauschalen führen.

 

Sie müssen also möglicherweise über Jahre hinweg die Nachweise sammeln und bei Verkauf des Fonds vorweisen (Anlagen KAP und Erträgnisaufstellungen).

 

Sie sollten also die Fondsbestände möglicherweise auf inländische Depotbanken verlagern – dort wird die Vorabpauschale direkt bei der Gewinnermittlung abgezogen.

 

Beispiel für Veräußerungsgewinnermittlung ausländisches Depot:

 

Veräußerungssumme 70.000 Euro
ursprüngliche Anlagesumme 50.000 Euro
Veräußerungsgewinn im ersten Schritt 20.000 Euro
während der Laufzeit abgeführte Vorabpauschalen 8.000 Euro
 Veräußerungsgewinn im zweiten Schritt 12.000 Euro
Bei Aktienfonds Teilfreistellung 30% 3.600 Euro
Tatsächlich steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn  8.400 Euro

 

Freistellungsauftrag überprüfen

 

Die Vorabpauschale wird immer am ersten Werktag eines Kalenderjahres eingezogen; erstmals zum 2. Januar 2019.

 

Die Vorabpauschale wird vom Freistellungsauftrag abgezogen. Wer also zum Beispiel einen Freistellungsauftrag von 400 Euro eingerichtet hat und eine Vorabpauschale von z.B. 80 Euro zu zahlen hat, dem wird einfach nur der in diesem Kalenderjahr verfügbare Freistellungsauftrag auf 320 Euro gekürzt.

 

Wer keinen oder keinen ausreichenden Freistellungsauftrag hat, dem wird die Vorabpauschale vom hinterlegten Bankkonto eingezogen. Dazu darf auch ein Kontokorrentkredit in Anspruch genommen werden, sofern der Anleger dem nicht widerspricht.

 

Hinterlegte Freistellungsaufträge oder bisher unterlassende Freistellungsaufträge sollten also überprüft oder eingerichtet werden.

 

 

 

 

Handlungsempfehlung: Besonders die Punkte „Ausländische Depotbank“ und „Überprüfung der Freistellungsaufträge“ sind für viele Anleger wichtig. Prüfen Sie diese nach. Für alle Grünes Geld Mandanten gilt – Sie haben bei uns ein inländisches Depot. Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

 

 

 

 

 

Portraitfoto Gerd Junker Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

Richtig versteuern: Erträge aus kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherung

Freitag, 28. Juli 2017
Zusammenfassung: Für ab 2005 abgeschlossene kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen wurden die Besteuerungsregelungen geändert. Erträge müssen seit dem versteuert werden. Diese Regelung greift in diesem Jahr erstmals für die Verträge mit der steuerbegünstigen Laufzeit von zwölf Jahren. Versicherte sollten sich jetzt gut informieren, damit sie ihre Steuervorteile korrekt geltend machen.

 

 

Versicherungspolicen im Blick behalten!

Früher war alles besser – so wird immer wieder geklagt und voller Sehnsucht die gute alte Zeit verklärt. Ob das stimmt oder nicht, sei einmal dahingestellt. Fakt ist, dass die Welt an Komplexität rasant zugenommen hat, Zusammenhänge und Verflechtungen kaum noch zu überblicken sind und einfache Erklärungen in der Regel nicht der ganzen Wahrheit entsprechen.

 

Wer die Komplexität der Moderne akzeptiert, weiß, dass Antworten und Lösungen umfangreicher sind als früher. Das trifft nicht nur auf das Weltall und die Zukunft der Menschheit zu, sondern leider auch auf die Steuerregelungen für Lebensversicherungen. Denn die lassen sich längst nicht mehr kurz und knapp erklären.

 

 

Versicherungspolicen im Auge behalten

Kapitallebensversicherungen zählen zu den beliebtesten Produkten der privaten Altersvorsorge. Auch wenn die erheblichen steuerlichen Vorteile vor einigen Jahren abgeschafft wurden und angesichts der niedrigen Zinsen die Erträge geringer ausfallen, sind aktuell rund 90 Millionen laufender Policen im Markt. Nach wie vor bieten Sie nämlich steuerliche Vorteile und als einzige Lösung die Absicherung des sogenannten Langlebigkeitsrisikos: sie zahlen Renten nämlich bis zum Lebensende, egal wie alt man wird.

 

Die Beliebtheit liegt sicherlich auch daran, dass Lebensversicherungen – wie vormals auch das wenig ertragreiche Sparbuch – die Sicherheits- und Sparmentalität der Deutschen trifft. Wer seinen Vertrag bis zum Ende der Laufzeit behält, bekommt eine Ablaufleistung, die sich aus der garantierten Versicherungssumme, Überschussbeteiligungen und einem möglichen Schlussbonus zusammensetzt.

 

Die passende Lebensversicherung finden und abzuschließen, ist für die meisten Laien schon eine Wissenschaft für sich. Ist die Entscheidung erst einmal getroffen, liegt der Vertrag für eine ganz Weile in der Schublade und gerät vorerst in Vergessenheit.

 

Wer allerdings ab dem Jahresbeginn 2005 eine kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen hat, sollte seine Police jetzt noch einmal studieren, denn wie die Kapitallebensversicherung dann versteuert werden muss, hängt ganz entscheiden vom Zeitpunkt des Abschlusses ab. Entsprechend greifen ab 2017 erstmals die vor zwölf Jahren neu eingeführten Regeln zur Besteuerung der Erträge.

 

 

2004 – das Jahr der letzten steuerfreien Leistungen

Die Welt wird zunehmend komplexer.

Im vergangenen Jahr zahlten die Lebensversicherungsgesellschaften in Deutschland – so meldete es der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft – rund 88 Milliarden Euro an ihre Kunden aus. Die besondere Höhe der Summe war vor allem der Tatsache geschuldet, dass 2016 die endfällige Einmalauszahlung der 12-jährigen Policen gezahlt wurde, die im Jahr 2004 abgeschlossen wurden.

 

2004 war dabei nicht nur das erste Jahr des TV-Dauerbrenners „Dschungelcamp“, sondern auch das letzte Jahr, in dem die Erträge aus Lebensversicherungen steuerfrei waren. Nach einer Vertragslaufzeit von mindestens zwölf Jahren konnten sich so Versicherungsnehmer von Kapitallebensversicherungen, Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht und fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen über einen warmen Geldregen ohne Abzüge freuen.

 

Allerdings nur, wenn es sich bei der Ablaufleistung um eine sogenannte Einmalauszahlung handelte und die Versicherung während der Laufzeit von zwölf Jahren maximal sieben Jahre beitragsfrei lief. Beliebt war 2004 das Modell 5 Jahre Einzahlung plus 7 Jahre Ruhezeit.

 

Wer eine regelmäßige private Rente (Leibrente) ausgezahlt bekommt, musste und muss den Ertragsanteil seiner Versicherung auch zukünftig gemäß dem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuern. Dabei wird jedoch der Rentenbeginn mitberücksichtigt, so dass dementsprechend gestaffelt nur Teile der ausgezahlten privaten Rente als Ertrag versteuert wird. Generell gilt dabei, je früher die Auszahlung der Leibrente beginnt, desto höher sind die steuerpflichtigen Ertragsanteile. Im Alter von 60 Jahren werden 22 Prozent der ausgezahlten Rentenleistung als zu versteuernder Ertragsanteil zugrunde gelegt, mit 65 Jahren Rentenbeginnalter nur noch 18 Prozent. Sämtliche Einnahmen werden bei der Steuererklärung dem zu versteuernden Einkommen zugerechnet. Insgesamt eine sehr steuergünstige Lösung.

 

 

2005 – „Brutto gleich Netto“ ist passé

Mit dem Jahr 2005 wurde die alte Regelung abgeschafft. Ausgenommen von der Neuregelung bleiben weiterhin jedoch sämtliche staatlich geförderten Produkte, wie die Riester- und Rüruprente sowie Betriebsrenten.

 

Unter die neue Regelung von 2005 fallen sowohl die üblichen privaten Lebensversicherungen mit Sparanteil und Rentenversicherungen mit der Möglichkeit der Einmalauszahlung. Gleichgültig ist, ob die Verträge fondsgebunden sind oder nicht.

 

Damit werden in diesem Jahr erstmals Policen der Lebensversicherer fällig, für die eine völlig neue Besteuerung gilt. Die Kapitalanlageprodukte wie private Renten- oder Kapitallebensversicherungen zählen gemäß des Alterseinkünftegesetzes zur sogenannten 3. Schicht, also der privaten Vorsorge, die der vorgelagerten Versteuerung unterliegt. Dies bedeutet, da bereits aus versteuertem Einkommen angespart wird, greifen für die Besteuerung der Ablaufleistung und der im Vertrag erzielten Erträge Erleichterungen bei der Steuer.

 

 

Die halbe Steuer sparen ist einfach möglich

Optimisten müssen nur die Hälfte versteuern, Pessimisten streichen das „nur“.

Immer – nein, nicht immer, denn auch hier gibt es Ausnahmen. Wenn die Mindestlaufzeit oder das Mindesablaufalter nicht eingehalten wurden, greifen die Erleichterungen nicht. Sondern nur für alle, die sich für die einmalige Auszahlung der Ablaufleistung entscheiden und die Mindestlaufzeit von zwölf Jahren eingehalten haben.

 

Außerdem muss der Versicherungsnehmer mindestens 60 Jahre alt sein. Bei Verträgen, die nach dem Jahr 2012 abgeschlossen wurden, gilt sogar ein höheres Alter von 62 Jahren.

 

Für Lebensversicherungen gilt darüber hinaus, dass der Todesfallschutz mindestens die Hälfte der Beitragssumme umfassen muss. Letzteres gilt für alle Vertragsabschlüsse ab dem 31. März 2009.

 

Ob das Glas nur noch halb voll ist oder schon halb leer, darüber lässt sich trefflich streiten. Fakt ist in jedem Fall: Wer all diese Voraussetzungen erfüllt, muss (nur) die Hälfte der Erträge aus den jetzt fälligen Verträgen versteuern.

 

 

 

 

 

 

Die Voraussetzungen werden allerdings im ersten Schritt – also bei der Auszahlung der Versicherung – nicht berücksichtigt oder geprüft. Denn der Gesetzgeber hat die Versicherungsgesellschaften verpflichtet von der Auszahlung der Lebensversicherung die Abgeltungssteuer inklusive des Solidarzuschlags auf die vollen Kapitalerträge einzubehalten. Ist der Versicherte kirchensteuerpflichtig, wird der entsprechende Anteil ebenfalls einbehalten. Das Geld wird an das zuständige Finanzamt abgeführt. Damit landet pauschal fast ein Drittel der Auszahlungssumme als zu versteuernder Kapitalertrag erst einmal beim Fiskus – ungeachtet des persönlichen Steuersatzes des Versicherten.

 

Dies ist wichtig zu wissen, denn jetzt ist Handeln gefragt.

 

Denn nur die Hälfte der Erträge aus der Lebensversicherung müssen versteuert werden. Das bedeutet, dass eine Hälfte der Erträge steuerfrei ist. Da die Versicherungsgesellschaften die komplette Abgeltungssteuer abführen, müssen Versicherte in der Folge selbst aktiv werden und das zu viel entrichtete Geld zurückfordern.

 

 

Wenn die Hälfte weniger ist als 50 Prozent …

Um die zu viel entrichteten Steuern vom Finanzamt erstattet zu bekommen, erhalten Versicherte von den Versicherungsgesellschaften eine entsprechende Bescheinigung.

 

Wenn der Versicherte im Rahmen seiner Steuererklärung seinen Anteil der abgeführten Steuern zurückfordert, kommt leicht weniger als die rechnerische Hälfte des erwarteten Betrags heraus. Denn während die Versicherer die Abgeltungssteuer abführen, rechnen die Finanzämter mit dem individuellen Einkommenssteuersatz. In der Praxis sieht es dann so aus, dass ein Versicherungsnehmer mit Spitzensteuersatz weit weniger als die Hälfte der eingezogenen Abgeltungssteuer erstattet bekommt. Von der Regelung profitieren in diesem Fall geringverdienende Versicherte, die bei einem Steuersatz von 12,6 Prozent mehr als die Hälfte der einbehaltenen Steuer erstattet bekommen. Allerdings erhöht die ausgezahlte Versicherungssumme auch das zu versteuernde Einkommen. Das bedeutet, dass Versicherte nach der Auszahlung der Lebensversicherung nach einem höheren Steuersatz veranschlagt werden und in der Folge auch mit einer geringeren Erstattung rechnen können.

 

 

Steuern sparen ist möglich

Nicht vergessen: Vom Versicherer abgeführte Steuern zurückfordern.

Gerade Versicherungsnehmer mit hohem Steuersatz schmerzt die neue Regelung zur Besteuerung der kapitalbildenden Lebensversicherung. Steuern lassen sich aber auch noch mit nach 2004 abgeschlossenen Verträgen. So ist beispielsweise ein Wechsel des Versicherungsnehmers durchaus möglich.

 

In der Praxis kann das etwa die Übertragung des Vertrags von den Eltern auf das in der Ausbildung befindliche Kinde sein, das kein oder nur ein gering versteuertes Einkommen bezieht. Ein völlig rechtmäßiger Weg, vor allem vor dem Hintergrund, dass ohnehin viele Eltern versuchen, Vermögen für den Start der Kinder ins Berufsleben aufzubauen.

 

Dabei bewirkt der Wechsel des Versicherungsnehmers keine Novation, die rechtlich als neuer Vertragsabschluss gewertet werden könnte. Die für die Einkommenssteuer relevante Mindestvertragsdauer von zwölf Jahren wird durch den Wechsel des Versicherungsnehmers nicht berührt.

 

 

Versicherte aktiv informieren

Wichtig ist und bleibt natürlich, dass Versicherte ihre Ansprüche gegenüber dem Finanzamt geltend machen. Daher sind Versicherungsgesellschaften jetzt besonders gefordert, ihre Kunden über die veränderte Rechtslage für die Verträge ab 2005 zu informieren.

 

Denn ohne weitere Informationen geht die Bescheinigung der Versicherung möglicherweise in der täglichen Papier- und Informationsflut unter. Die Versicherungskunden müssen jetzt wissen, dass sie ihre Steuervorteile in der nächsten Einkommenssteuererklärung selbst geltend machen oder die Bescheinigung an ihren Steuerberater weitergeben müssen damit kein Geld verloren geht.

 

 

Ausnahme Ausland

Bei Versicherten, die in Deutschland einen Vertrag bei einer ausländischen Versicherungsgesellschaft abgeschlossen haben, sieht das Procedere etwas anders aus. Sie erhalten von ihrer Versicherungsgesellschaft die komplette Auszahlungssumme und müssen die Erträge selbst versteuern. Von ihrem Versicherer erhalten sie dafür eine detaillierte Ertragsaufstellung.

 

 

Auch wenn der Weg schwer ist – gemeinsam geht es leichter.

Es wird nicht einfacher …

Versicherungsnehmer müssen also bei ihrer Steuererklärung für das Jahr 2017 einige Veränderungen im Hinterkopf behalten. Im kommenden Jahr wird es dann eine weitere Neuerung im Bereich der Fondspolicen. Denn ab 2018 greift die Reform der Investmentbesteuerung. Diese sieht vor, dass Fonds mit 15 Prozent besteuert werden. Das Novum dabei ist, dass bislang die Anleger zwar ihre Erträge versteuern mussten, der Fonds selbst jedoch nicht besteuert wurde.

 

Bei fondsbasierten Lebensversicherungen werden dann 15 Prozent des Unterschiedsbetrags steuerfrei sein, soweit dieser Betrag aus Investmenterträgen stammt. Alternativ ist es möglich, dass der Unterschiedsbetrag nicht bei der Feststellung der Einkünfte abgezogen wird. Diese Regelung soll eine Doppelbesteuerung ausschließen.

 

 

… aber leichter durch kompetente Beratung

Der Abschluss einer fondsbasierten Lebensversicherung  ist als Baustein der privaten Altersvorsorge sinnvoll, jedoch in der Durchführung alles andere als trivial.

 

Leichter geht es mit kompetenten und anbieterunabhängigen Partnern an seiner Seite. Wie Beispielsweise die Experten von Grünes Geld. Hier erhalten Anleger nicht nur verständliche Antworten auf alle relevanten Fragen rund um das Thema soziale und ökologische Geldanlagen und Vermögensaufbau. Sie können auch zugleich sicher gehen, dass ihr Geld in Anlageprodukte fließt, die sowohl ausgezeichneten Renditechancen haben und zugleich nachhaltig gemanagt werden. Damit jeder Anlegertyp die passende Lösung für seine Finanzen findet und zugleich die Scherpunkte seiner Investments selbst bestimmen kann, verfügt Grünes Geld über mehr als 300 interessante Anlagemöglichkeiten.

 

 

 

 

 

 

 

Carmen Junker   Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“. Mehr zu ihr und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.