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Crowdfunding – Venture Capital 2.0?

Freitag, 19. Mai 2017
Zusammenfassung: Vor rund zwanzig Jahren gründeten sich viele kleine und innovative Unternehmen – oft mit Hilfe von Wagniskapitalgebern. Mittlerweile haben es Start-ups wieder schwerer, an Startkapital zu kommen. Wer die Bank seines Vertrauens nicht von seiner Geschäftsidee überzeugen kann, kann in verschiedenen Communities mehr Erfolg haben. Crowdfunding hat sich als kreative Möglichkeit der Anschubfinanzierung in den letzten Jahren etabliert. Die Besonderheit: Das benötigte Kapital wird von einer Vielzahl von Personen aufgebracht, die ambitionierten Ideen zum Durchbruch verhelfen wollen.

 

 

Ohne Unterstützung ist die Arbeit mühsam …

Crowdfunding ist ein relativ junges Phänomen, das sich im Zuge der sozialen Vernetzung in den digitalen Medien schnell als Idee verbreitet und etabliert hat. Sehr wahrscheinlich wurde der Begriff vor einigen Jahren durch einen Artikel im US-amerikanischen Technologie-Magazin Wired geprägt und fand anschließend über vielfältige Social Media-Kanäle Verbreitung.

 

In Deutschland gewann Crowdfunding im Jahr 2011 weitreichende Beachtung, als die Kölner Produktionsfirma Brainpool auf diese Weise Gelder für den geplanten Spielfilm „Stromberg“ sammelte. Die Aktion war ein voller Erfolg: Das Unternehmen hatte geplant, innerhalb von drei Monaten eine Million Euro zu sammeln, das Fundingziel wurde jedoch bereits nach zwei Wochen erreicht.

 

 

Wenn ein Schwarm für eine Idee schwärmt

Geschäftsideen durch Crowdfunding finanzieren – diese Möglichkeit  hat sich – nicht zuletzt wegen solcher wegweisender Erfolgsgeschichten – in den letzten Jahren stark verbreitet. Das Prinzip, das hinter dem Crowdfunding steht, ist vergleichsweise simpel: Ein große Menge an Personen, die „Crowd“, finanziert mit ihrem Geld die Umsetzung einer Geschäftsidee. Dabei handelt es sich meist um Nischen-Projekte oder –Produkte, die nur eine kleine Zielgruppe ansprechen.

 

… wenn mehrere Gleichgesinnte zusammen finden, geht alles leichter.

Zum Start einer Crowdfunding-Kampagne wird eine Mindestkapitalmenge festgelegt, die durch die Einlagen vieler Beteiligter erreicht werden soll. Die Höhe der Einlage ist dabei meist variabel. Erträge können, müssen aber nicht zwingend ausgezahlt werden. Je nach Vereinbarung, können die Gegenleistungen auch einen ideellen Wert haben oder – nicht selten – auch in Naturalien ausgezahlt werden. Letzteres vor allem dann, wenn mit dem Kapital Alltaggegenstände oder Lebensmittel produziert oder vermarktet werden sollen.

 

Die Bezeichnung des Crowdfundings hat sich auch in der deutschen Sprache durchgesetzt. Gelegentlich wird allerdings auch von Schwarmfinanzierung gesprochen. Eine recht zutreffende Übersetzung, denn hier wird die „Crowd“ nicht als Masse verstanden, ein Begriff, der eher negativ konnotiert wird. An die Stelle einer anonymen Masse, die sich leicht lenken lässt und keinen eigenen Willen hat, tritt der intelligente Schwarm, der durch den zielsicheren Einsatz und die Zusammenführung von unterschiedlichen Fähigkeiten und Mitteln gemeinsam Probleme lösen und optimale Ergebnisse erreichen kann. Mit der Masse hat diese Schwarmintelligenz nur die Durchsetzungskraft gemeinsam.

 

 

Der kleine Unterschied zum Wagniskapital

Wer eine gute Geschäftsidee hat, muss verschiedene Hürden nehmen, um diese erfolgreich umzusetzen. Da ist zuerst einmal das Startkapital. Wer über keine eigenen Mittel verfügt, muss also Geldgeber von der Tragfähigkeit und den Erfolgsaussichten seines Geschäftsmodells überzeugen. Das ist nicht immer einfach. Denn nach einem enormen Gründungsboom Ende des 20. Jahrhunderts (Dot-Com-Blase) und der Ernüchterung nur wenige Jahre später, sind Banken wieder vorsichtiger geworden.

 

Zum Grünes Geld TestKlassische Venture Capital-Unternehmen existieren zwar auch weiterhin, jedoch ist die ehemals boomende Branche der Wagniskapital-Geber längst nicht mehr so blauäugig wie zu Zeiten des DotCom-Booms. Darüber hinaus fokussieren sich die klassischen VCs auf Unternehmungen, die Wachstum und eventuell auch einen Börsengang anstreben. Wer eher ein kleines und überschaubares Gewerbe bei seiner Gründung im Sinn hat, und eher ideelle als finazielle Ziele verfolgt, ist hier an der falschen Adresse.

 

 

Gemeinsam ein Ziel erreichen

Schwarmintelligenz – Gemeinsam Lösungen finden.

Die Geschäftsideen, für die Crowdfunding betrieben wird, sind besonders häufig im kreativen, sozialen und ökologischen Bereich angesiedelt. Hier bildet nicht allein der wirtschaftliche Erfolg den Unternehmenszweck. Vielmehr sollen vielfach auch ideelle Ziele gestärkt und umgesetzt sowie ein nachhaltiger und sinnorientierter Konsum gefördert werden.

 

Für diese Projekte bietet sich Crowdfunding sehr gut an, denn das unternehmerische Risiko wird auf vielen Schultern verteilt. Alle, die sich an der Finanzierung eines Projektes oder Produktes beteiligen, sind außerdem im Allgemeinen hochmotiviert, die Aktion zum Erfolg zu verhelfen. Unternehmen, die ihr Eigenkapital durch Crowdfunding beschaffen, sind darüber hinaus einer Vielzahl von Geldgebern verpflichtet. Diese Gegenseitigkeit bringt eine hohe Dynamik in die Projekte.

 

 

Wie Idee und Geld zusammen kommen

Wer das Kapital für seine Unternehmensidee über Crowdfunding sammelt, startet eine sogenannte Aktion. Dabei wird die Geschäftsidee ausführlich vorgestellt und angegeben, wieviel Geld benötigt wird. Der Zeitraum, in dem das Kapital eingesammelt werden soll, ist begrenzt. Nach Ablauf dieser Laufzeit gilt das Alles-oder-nichts-Prinzip. Entweder die angesetzte Crowdfunding Summe wurde erreicht und das Jungunternehmen kann an den Start gehen oder das Fundingziel konnte nicht erreicht werden. In diesem Fall geht das bis dahin gesammelte Geld direkt an die „Crowd“ zurück. Damit sind die Gelder einer Crowfunding-Aktion zweckgebunden und dürfen nur für das ausgeschriebene Projekt eingesetzt werden.

 

Crowdfunding Aktionen werden im Internet auf speziellen Crowdfunding-Portalen veröffentlicht. Eine der größten klassischen Plattformen im deutschsprachigen Raum wird von der Dresdner Startnext Crowdfunding GmbH betrieben. Das Unternehmen vermittelt vielfältige kreative und nachhaltige Projekte und Start-ups aus dem künstlerischen, ökologischen und sozialen Bereich. Finanziert wird die Plattform über eine freiwillige Provision, deren Höhe die Jungunternehmer selbst festlegen.

 

In eine ähnliche Richtung geht auch die Leipziger Crowdfunding Plattform VisionBakery, die sich eine Stärkung des sozialen Miteinanders und eine wirtschaftliche Gleichberechtigung auf die Fahnen geschrieben hat.

 

Augenfällig an diesen – dem klassischen Crowdfunding-Gedanken verpflichteten – Plattformen ist, dass trotz allem Idealismus ein stark ausgeprägter Realitätssinn und eine hohe Professionalität an den Tag gelegt wird. Marketing und Kommunikation sowie die Einbindung unterschiedlichster Communities und sozialer Medien bringen die Crowdfunding-Projekte einer breiten Gruppe potenzieller Unterstützer näher und tragen entscheidend zum Erfolg des Systems bei.

 

Neben etablierten Plattformen für den gesamten deutschen Markt, gehen auch zunehmend regionale Crowdfunding-Initiativen an den Start. Hier präsentieren lokale Crowdfunding-Aktionen ihre Ideen und sprechen zur Geldbeschaffung gezielt Menschen aus ihrem geographischen Umfeld an.

 

 

Crowdlending als unkomplizierter Kredit

Die Finanzierung durch eine Vielzahl von Unterstützern als Alternative zu den klassischen Banken, entdecken zunehmend auch kleine und mittlere Unternehmen als interessante Möglichkeit der Kapitalbeschaffung. Aktuell bieten zahlreiche Crowdfunding-Plattformen ihre Services für Start-ups aus den unterschiedlichsten Richtungen an.

 

Dazu zählen zunehmend auch Crowdlending-Unternehmen. Bei dieser kreditbasierten Form des Crowdfundings können Unternehmen eine Finanzierung auch nach ihrer Gründungsphase erhalten. Beispielsweise, um neue Investitionen zu tätigen. Grundgedanke dabei ist es, ambitionierten Projekten Kredite zu ermöglichen, die wenige Chancen auf einen Bankkredit haben. Durch die vergleichsweise sehr geringe Bonität des Kreditnehmers, ist Crowlending für die Kreditgeber durchaus risikoreich, jedoch im Erfolgsfall auch ertragreich.

 

Eine Ausnahme bildet dabei das Social Lending. Bei dieser Kreditform erhält der Geldgeber zwar den Anspruch auf eine Rückzahlung des Darlehens, er verzichtet jedoch auf eine Verzinsung. Damit steht beim Social Lending der Gedankte der schnellen und unkomplizierten finanziellen Hilfe im Mittelpunkt

 

Weitere Formen des Crowdfundings

Crowdfunding nach den Maßstäben eines klassischen Investments zu beurteilen ist schwierig, denn viele Crowdfunding-Aktionen geschehen unter Voraussetzungen, die sich nicht mit den Spielregeln herkömmlicher Geldanlagen vergleichen lassen.

 

  1. Crowdfunding als Spende

Wenn ein Crowdfunding-Projekt zwar kaum wirtschaftlichen Erfolg verspricht, aus gesellschaftlicher Sicht jedoch umgesetzt werden sollte, bietet sich das spendenbasierte Crowdfunding an. Dabei verzichten die Geldgeber auf eine Gegenleistung. Diese Form des Crowdfundings ist damit eine gezielte Spendenaktion und damit eher mit einem Fundraising zu vergleichen. Neu am Crowdfunding als Spendenaktion ist allerdings, dass ein bestimmtes Projekt umgesetzt werden soll und dafür eine bestimmte Geldmenge benötigt wird. Wenn das definierte Ziel nicht im vorgesehenen Zeitrahmen erreicht wird, gilt auch hier „alles oder nichts“. Die Spender erhalten ihre Zuwendung zurück und können so sicher gehen, dass das Geld nicht anders als vorgesehen eingesetzt wird.

 

  1. Crowdfunding mit Gegenleistung – der Sponsorengedanke

Gemeinsam gute Ergebnisse erzielen.

Das Crowdfunding mit einer Gegenleistung (Reward-based Crowdfunding) funktioniert ähnlich wie die üblichen Sponsorenprogramme und das klassische Mäzenatentum. Besonders in den Bereichen Kunst, Kultur, aber auch im Sport können so bestimmte Projekte, Filme und Veranstaltungen finanziert werden. Die Geldgeber erhalten für ihre Einlage einen nicht-monetären Dank. Beispielsweise werden Geldgeber in Programmheften oder im Filmabspann namentlich erwähnt. Möglich sind auch spezielle Dinge, wie etwa ansonsten unverkäufliche Fanartikel, signierte Medien und vieles mehr. Auch soziale und ökologische Projekte nutzen diese Crowdfunding-Methode und bieten ihren Geldgebern beispielsweise Baum- und Tierpatenschaften oder ähnliche symbolischen Gegenleistungen an.

 

  1. Crowdfunding mit Gewinnbeteiligung

Zum Investment wird die Beteiligung an Crowdfunding Projekten dann, wenn die Geldgeber an zukünftigen Gewinnen des Projektes beteiligt werden sollen. Beim sogenannten Crowd Investing oder auch Equity-based Crowdfunding werden die Geldgeber meist auch Teilhaber des Unternehmens und erhalten einen Anspruch auf einen Teil der Gewinne des Unternehmens. Der Vorteil des Crowdinvestings ist  die Verteilung des Risikos auf eine größere Gruppe und – im Erfolgsfall – überdurchschnittliche Erträge für die Geldgeber. Generell tragen die Investoren jedoch auch das unternehmerische Risiko mit. Wenn das Projekt scheitert, kann die Geldeinlage komplett verloren gehen. Da die meisten Crowdfunding-Plattformen so aufgestellt sind, dass sie für ihre Angebote keine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht benötigen, unterliegen sie auch keiner staatlichen Regulierung oder Einlagensicherung.

 

 

Interessante Projekte fördern durch nachhaltige Geldanlagen

Wer sich also an einem Crowdfunding Projekt beteiligen will, sollte sich in jedem Fall der Grundidee der geplanten Aktion verpflichtet fühlen. Wer darüber hinaus das Projekt als nachhaltige Geldanlage nutzen will, sollte sich tiefergehend über die Erfolgsaussichten und Marktchancen der Aktion informieren und die eigene Risikobereitschaft kritisch hinterfragen. Denn Crowdfunding sollte ganz klar in erster Linie als Community-Projekt verstanden werden und sehr viel weniger als alternatives Investment.

 

Das bedeutet aber nicht, dass es nicht auch möglich ist, mit sinnvollen und nachhaltigen Projekten Vermögen aufzubauen. Im Gegenteil, ethische und ökologische Geldanlagen stoßen auf immer mehr Interesse. Kein Wunder, denn hier stimmen die Spielregeln: Angelegte Gelder werden in Projekten und Unternehmen investiert, die sich beispielsweise im sozialen Bereich engagieren, Erneuerbare Energien voranbringen oder Technologien für klima- und umweltfreundliche Entwicklungen ermöglichen. Darüber hinaus können Anleger hier mit attraktiven Erträgen rechnen und wissen ihr Geld in guten Händen. Grünes Geld, erfahrener Anbieter nachhaltiger Geldanlagen, hat mehr als 300 interessante Projekte im Angebot. Hier findet jeder Anlegertyp das passende Finanzkonzept.

 

 

 

 

Carmen Junker

Verfasser des Beitrages: Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“.